Ich hoffe, dass der Text für alle Leser interessant (und abschreckend/aufwühlend) sein wird:
Guten Abend sehr geehrte Damen und Herren,
mein Name ist Kevin Niehage, ich bin LSVD-Mitglied (Nr. xxxxyyyyzzzz) und Autor des Weblog WeizenSpr.eu
Wie Sie hoffentlich bereits mitbekommen haben, hat die Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen jüngst der Kinder-Pornographie (KiPo) den Kampf angesagt. Siehe z.B. hier:
Link auf einen Artikel von heise.de
Ziel ist es, eine schwarze Liste mit Webseiten aufzubauen, die nicht mehr für die deutsche Bevölkerung zugänglich sein sollen. Funktionieren soll das so: Wenn jemand eine Internet-Adresse abruft, wird diese Adresse über eine Nachfrage bei einem so-genannten DNS (Domain Name Server -
vergleichbar mit einem Telefonbuch) in die eigentliche Adresse des Servers (eine sogenannte IP-Adresse – vergleichbar mit einer Telefonnummer) umgewandelt. Diese Abfrage soll nun gefiltert werden und Zugriffe auf eine geblockte Seite sollen auf eine Stopp-Seite umgeleitet werden.
Leider muss davon ausgegangen werden, dass der eingeschlagene Weg früher oder später auch zur Zensur anderer Inhalt missbraucht wird – darunter fallen neben politischen Webseiten evtl. auch Webseiten über anderweitige sexuelle Themen.
Hier werfen sich zur Zeit mehrere Probleme auf, die wohl die gesamte Community angehen dürften:
- Webseiten sollen ohne vorherige richterliche Prüfung auf einen Index gestellt werden: Damit könnten auch Webseiten gesperrt werden, die keinerlei Verbindungen zu KiPo aufweisen. Somit könnte eine Zensur von Seiten erfolgen, die sich mit gleichgeschlechtlicher Liebe befassen.
- Nach neuerlichen Aussagen soll die Information darüber, wer auf eine Stopp-Seite zugegriffen hat, gespeichert und dem BKA zugänglich gemacht werden, um eine Strafverfolgung einleiten zu können.
Die Auswirkung dieser beiden Punkte wäre gravierend!
Zum einen wäre damit der Weg frei, um beliebigen Content im Internet zu zensieren – da keine Gegenprüfung stattfinden – und zum anderen wären alle Nutzer des Internet (wobei Schwule und Lesben aufgrund der Kategorisierung “Sexualität” wohl besonders gefährdet wären) der Gefahr ausgesetzt, aufgrund von Unwissenheit (die Indexliste ist natürlich nicht frei zugänglich) in das Visier der Polizeifahndung zu geraten.
Leider wird diese Seite der KiPo-Sperre von den traditionellen Medien nur unzureichend beleuchtet – wodurch in der Bevölkerung ein völlig falsches Verständnis aufgrund von Falschinformationen entsteht.
So wurden sogar jüngst Netzwerktechniker und andere Informatiker, die um die Schwächen des geplanten Systems wissen, von der Familienministerin in die selbe Ecke wie KiPo-Konsumenten gestellt. Siehe hierfür:
Link auf ein Radiointerview bei RadioEinsrbb
Die Aussage, dass eine Unterscheidung zwischen “zufälligem Ansurfen” und “gezielten Ansurfen” gezogen wird, ist übrigens völliger Blödsinn, da dies technisch in keinster Weise umsetzbar ist! Sehr interessant ist übrigens auch, wie die Frau von der Leyen versucht, das Wort “Datenspeicherung” zu verklausulieren!
Was in dem Interview auch deutlich wird, ist, dass das Thema Kinderschutz eine untergeordnete Rolle spielt, da die Verfolgung von Content-Anbietern auf internationale Organe geschoben wird. Dazu hat sich auch die Organisation CareChild geäußert, die anhand eines Versuches gezeigt hat, wie innerhalb kurzer Zeit der Zugriff auf KiPo unterbunden werden kann, indem direkt die Hoster (Unternehmen, die Web-Speicherplatz anbieten) dieser Materialien um die Beseitigung der Inhalte gebeten werden:
Link zu einem Artikel von CareChild.de
Durch ein aktives Vorgehen würde der Zugang zu solchen Medien schließlich viel effektiver verhindert werden, als durch den Einsatz von lückenhaften Zwischen-Instanzen – leider hat dieser lückenhafte Schutz aber eben den Bonus, dass er auch vor anderen Inhalten als nur KiPo “schützen” könnte.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Ich hoffe, dass ich Sie für dieses aktuelle Thema interessieren konnte. Ich würde mich freuen, wenn der LSVD als Interessensvertreter seine Mitglieder auf dieses Thema aufmerksam machen könnte und darüber hinaus auch aktiv für die Online-Sicherheit von GLBTs eintreten würde.
Mit freundlichen Grüßen,
Kevin Niehage
Name der Organisation korrigiert