27 Mai 2009 ~ 0 Comments | ÄHNLICHE ARTIKEL

Es war einmal: Thomy-Erpressung

Es ist lustig, wie man sich manchmal an Dinge erinnert, die man schon längst vergessen geglaubt hat – so wie bei mir vorhin: Ich hatte an eine alte Werbung gedacht, konnte mich aber trotz allem nicht an die Marke erinnern. Vielleicht kennt sie ja noch jemand: Darin vollführt eine Frau einen Handstand und trinkt dabei kopfüber aus einem Glas irgendeinen Fruchtsaft.

Jedenfalls habe ich dann ein wenig in Erinnerungen geschwelgt und bin mit den Gedanken dann irgendwann an der Thomy-Erpressung hängen geblieben. Ich selbst war damals erst 10 Jahre alt – scheine davon aber anscheinend doch ein wenig mitgekriegt zu haben: Vielleicht weil damals auch Gift-Anschläge auf Supermärkte in meiner Heimat Berlin verübt wurden?

Was ich bisher noch nicht wusste: Die Berliner Zeitung führt ein ziemlich umfangreiches Online-Archiv, in dem man auch zur damaligen Erpressung fündig wird.

Interessant fand ich dabei jedoch vor allem diesen Artikel. Darin heißt es u.a.:

Nur von von Erpressung betroffene Handelsketten verzichten auf Thomy-Produkte

Nach dem Fund von vergifteten Senf- und Mayonnaisetuben in Supermärkten in Saarbrücken und Regensburg haben Berliner Unternehmen lediglich eine sorgfältige Überprüfung veranlaßt.

Robert Gus, Regionsleiter bei Kaiser’s sieht vorerst keinen Grund, Thomy aus den Filialen zu verbannen. [...]

Rewe-Pressesprecher Wolfram Schmuck bestätigt, daß sein Unternehmen, zu dem auch Penny und Minimal gehören, nach Prüfung der Sachlage auch durch die Polizei keine Veranlassung sieht, die Regale leerzuräumen. [...]

Anders reagierten die Zentralen der Supermarktketten Plus, Lidl und Condi. Die von der Erpressung betroffenen Handelsgruppen reagierten schnell und gründlich: Sie räumten die drei direkt bedrohten Supermärkte bis zum letzten Joghurtbecher leer und einigten sich laut Condi darauf, die Ware versiegeln und vernichten zu lassen. Thomy-Produkte wurden vorsichtshalber aus allen Filialen verbannt.
(Artikel der Berliner Zeitung vom 10.04.97)

Na zum Glück habe ich damals keine Zeitung gelesen – wahrscheinlich wäre mir bei solch einem, vom Kommerz getriebenen, Vorgehen mein Pudding direkt im Hals stecken geblieben.
Das erinnert mich direkt wieder an diese angezettelte Diskussion eines Shoot’em-Up-Spielegegners. Dort heißt es:

Wenn dadurch nur EIN Opfer in der Zukunft vermieden werden kann, hat sich ein entsprechendes Verbot bereits gelohnt!
(Foreneintrag im Heise-Forum)

Wieso sollte das heute bei virtuellen (= nicht existierenden) Waffen gelten, damals aber nicht bei realem Gift?

Erinnert sich von euch noch jemand an diese Geschichte? Gab es damals einen Anschlag in eurer Umgebung? Habt ihr damals auf Produkte von Thomy verzichtet?


Nostalgische Grüße, Kenny



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