Willkommen beim zweiten Artikel des Monats – zu dem es auch wieder ein Spreu oder Weizen? gibt. Stimmt also ab, was ihr von dem Thema haltet!
Da das Thema insgesamt die Bevölkerung immernoch spaltet und ich hier keine Beschimpfungen jedweder Art dulde, werde ich mir vorbehalten, unpassende Kommentare zu löschen – you have been warned!
Wie immer geht es mir auch darum, ein bisschen aufzuklären, da es leider Gottes immernoch viele, viele, viele Menschen gibt, die absolut keinen Plan von dem Thema haben, sich aber trotzdem über diese menschliche Unsitte brüskieren.
Jeder, der hier mit religiösen Phrasen daher kommen will, sei vorher liebst auf den Schwule Sünde-Artikel verwiesen
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Nun wollen wir aber langsam mal anfangen mit dem ganzen hier
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Aber bitte im Hinterkopf behalten: alles, was ich hier schreibe, spiegelt, wie eigentlich immer, meine eigenen Erfahrungen, Ideen und Gedanken wider – es gibt natürlich auch Leute, die anders denken und aggieren, aber auf die habe ich leider keinen Einfluss
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Die erste Frage, die man sich als Außenstehender stellen wird (falls man sich überhaupt damit beschäftigt), ist: wie wird man eigentlich schwul?
Das ganze ist, um es genau zu sagen, noch nicht wirklich allgemein-gültig geklärt worden – es gibt einige Ansätze, wobei die einen überzeugender sind, als die anderen. Es gibt z.B. die Idee, dass das ganze genetisch veranlagt ist, dass es eine freie Entscheidung ist (*kaputt lach*) und so weiter. Die Theorie, die ich persönlich am plausibelsten halte, ist die Hormon-Theorie – die ich nun kurz versuchen werde, anzureißen
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Wie wir ja alle gelernt haben, wird durch das Spermium von Papa bestimmt, ob wir Männlein oder Weiblein werden – entweder Papa gibt uns sein X-Chromosom ab (Weibchen), oder eben sein Y-Chromosom (Männchen). So einfach ist das dann aber leider doch nicht – denn obwohl wir genetisch gesehen ein Männchen (XY) sind, fangen auch wir mal als weiblicher Fötus an.
Während wir heran wachsen, kriegen wir von Mama im Mutterleib über die Zeit mehrere Testosteron-Schübe verpasst, wobei jeder für eine andere Aufgabe zuständig ist – da gibt es einen, der bestimmt, was für ein Geschlechtsteil wir ausbilden (z.B., damit bei den Männchen die Eierstöcke verkümmern können), was für ein Verhaltensmuster ausgeprägt wird (feminin/tuckig oder männlich) und auf welche Reize wir bei einem Geschlechtspartner reagieren.
Jetzt mag man fragen: und wieso genau diese Punkte und keine anderen?
Fangen wir mal an: es gibt z.B. Menschen, die mit beiden, vollständig intakten, Geschlechtsteilen geboren werden. Wir haben da unsere tuckigen Schwulen und unsere Emanzen-Lesben, sowie Schwule und Lesben allgemein.
Aber wie überall im Leben gibt es nicht nur schwarz und weiß, sondern alles ist Regenbogen-Flaggen-bunt
. Ich denke mal, jeder hat das schonmal erlebt: man sieht jemanden und denkt sich “der ist doch bestimmt schwul” – bis man erfährt, dass die Person auf Frauen steht und einfach nicht begreift, warum ihn alle für schwul halten. Das Problem: wenig Testosteron bei der Ausprägung der Verhaltenszüge, viel Testosteron bei der Ausprägung des Beute-Schemas – macht insgesamt einen schwul-wirkenden Hetero, der wohl sein Leben lang mit Vorurteilen zu kämpfen hat.
Interessanterweise kann diese Ausprägung der Verhaltungszüge so gestört sein, dass die Leute sich fühlen, als ob sie im falschen Körper geboren wären – dieses Phänomen ist heutzutage unter dem Begriff Transgender bekannt.
Zusammenfassend merke man sich hier also:
- nicht jeder, der schwul tut, ist es auch
- man hat keine “Wahl”
- es gibt einen fließenden Übergang zwischen homo/bi/hetero, sowie zwischen maskulin/feminin
Meist schließt sich die Frage an: und wie merkt man, dass man schwul ist?
Mal eine Gegenfrage: wie merkt ein Hetero, dass er auf Frauen steht? Genau! Er merkt es einfach!
Es gibt keine geheime Schwulen-Beschwörung, kein Drängen von Leuten in die Homosexualität – sie merken einfach (meist im Laufe der Pubertät), dass sie sich zu dem eigenen Geschlecht hingezogen fühlen. That’s it!
Leider ist diese Erkenntnis garnicht so einfach – und sie kann auch sehr schmerzvoll sein. Man stelle sich einen Teenager vor, der damit zu kämpfen hat, dass seine Pickel nicht überhand nehmen, dass er mit den Leuten um sich herum gut klar kommt und der gerade absolut keinen Bock auf das hat, was die Erwachsenen ihm verklickern wollen – es ist doch so schon schwer genug, seinen Platz in der Welt zu finden.
Nun wird dieser Teenie auch noch damit konfrontiert, dass er anders ist, als die anderen – dass er zu einer Gruppe gehört, die von der allgemeinen Bevölkerung mit Verachtung gestraft wird, obwohl er doch garnichts dafür kann!
Ich meine, wie dumm muss man denn bitte sein, wenn man glaubt, dass irgendjemand sich freiwillig dieser Tortur aussetzt, sich selbst als homosexuell zu definieren?! Wer würde denn freiwillig die Gefahr auf sich nehmen, von der Familie, den Freunden und dem Rest der Gesellschaft verstoßen zu werden?!
Schon mehrfach musste ich mir anhören, dass das ganze ja eh nur eine Modeerscheinung ist – dass es im Moment angesagt und cool ist, zumindest ein bissel bi-sexuell zu sein.
Wie wäre es, wenn man sich mal überlegt, warum sich immer mehr junge Leute überhaupt erst trauen, ihre homosexuelle Neugier zu befriedigen? An den alternden Generationen – die sich immernoch an den gut-bürgerlichen Idealen festkrallen, wie eine Katze am Kratzbaum – kann es jedenfalls nicht liegen, dass die Jugend zumindest in Teilen offener und tolleranter gegenüber anderen wird.
Ich weiß noch genau, wie mein erster Kontakt mit Homosexuellen war – wobei man dazu sagen muss, dass ich sehr negativ geprägt wurde. Meine Vorstellung damals war, dass Schwule durch die Bank weg alte, bärtige Männer in Lederklamotten sind, die den ganzen Tag nur auf Popo-Sex aus sind
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Jedenfalls war ich zu der Zeit krank und musste alle paar Stunden (auch nachts) Antibiotika zu mir nehmen – für einen Teenager natürlich der ideale Vorwand, bis in die Puppen wach zu bleiben und durch die Kanäle zu zappen
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Eines Nachts bin ich dann mal auf Pro7 hängen geblieben und habe mir mal die verschiedenen Teletext-Angebote angeguckt: damals waren SMS-Chats der absolute Hit – man schickt eine SMS mit seinem eigenen Text an eine Nummer und ein paar Sekunden (oder Minuten) später erscheint der gerade verschickte Text dann Deutschland-weit im Videotext!
Da liege ich also und gucke durch die Raumliste – und plötzlich sehe ich es: Boys meet Boys auf Seite 484 (ich habe nachgeguckt, heutzutage ist das ein ganz anderes Chat-System mit anderen Raumnummern und so weiter). Ich gehe auf die Seite und mache sofort danach den Fernseher aus – mein Herz schlägt mir bis zum Hals! “Oh mein Gott! Ich war auf einer Schwulen-Seite!”
In den nächsten Nächten war ich dann immer wieder mal auf der Seite und habe mitgelesen, worüber Schwule denn so schreiben und war sehr verblüfft – keine Suche nach Sex, sondern ganz normale Konversation: welche schlechten Witze Stefan Raab schon wieder macht, wie schön das Wetter gerade irgendwo ist, wer gerade Stress mit seinem Chef hat, etc.
Eines Nachts war ich dann so mutig, dass ich auch mal eine Nachricht schrieb – die erste von vielen
. Ohgott, ich weiß noch, dass ich irgendwas geschrieben habe, von wegen, dass diejenigen dort im Chat garnicht so sind, wie ich mir Schwule immer vorgestellt habe
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In dieser Zeit habe ich jedenfalls gelernt, dass man dadurch, dass man schwul ist, nicht auf mysteriöse, okulte Weise zu einem völlig anderen Wesen wird, das nur noch geifernd den nächsten Popo-Sex herbei-sehnt
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Ich denke, es ist wichtig, dass Eltern diese Botschaft mitnehmen, da es den Umgang mit dem eigenen, homosexuellen Kind wahrscheinlich sehr vereinfacht: es kann selbst nichts dafür, ist genauso verunsichert wie ihr und wird trotz allem weiterhin der selbe Mensch bleiben – egal wen oder was es liebt!
Man sollte aber auch erwähnen, dass die Eltern sich im klaren sein müssen, dass es sich dabei um eine wirklich schwierige Situation für das Kind handelt: bitte drängt es nicht zu irgendwas und versucht bloß nicht, dem Kind zu erklären, wie schlecht die Homosexualität ist, oder dass nur reiche Leute es sich leisten können, schwul zu sein (nicht wahr, Papa?). Je mehr ihr das Kind unter Druck setzt, desto mehr wird es sich wahrscheinlich zurück-ziehen und versuchen, sich anderweitig (sprich: ohne die Eltern zu involvieren) zu entfalten.
Und was macht man so als Schwuler den lieben langen Tag?
Na genau das, was auch andere machen! Zur Schule gehen, zur Arbeit gehen, Einkaufen, den Haushalt erledigen, das Auto zur Werkstatt bringen, Kochen, Backen, Fernsehen, ein Rock-Konzert geben, ins Kino gehen – Schwule und Lesben sind wie alle anderen Menschen auch, nur dass ihr Traumpartner eben anders aussieht, als der von Heterosexuellen. That’s it again!
Natürlich spielen einige gerne auf die schwule Community an, die es ohne Zweifel auch gibt – aber man muss zwei Dinge beachten. Zum einen, dass es auch andere Communities gibt, wie z.B. die Punk-Szene, die Drogen-Szene, den Verein Bibel-treuer Christen und den Kaffeeklatsch am Sonntag – alle zeichnen sich durch gemeinsame Interessen und Erfahrungen aus. Zum anderen muss man bedenken (wie oben schon angedeutet), dass es garnicht so einfach ist, mit der Homosexualität über die Runden zu kommen: ich meine, wenn ein Hetero-Mann auf der Straße umherläuft, dann ist jedes Weibchen eine potentielle Beute. Man sieht einfach, dass eine Frau eine Frau ist. Aber wie sieht man, dass ein Mann schwul ist oder eine Frau lesbisch? Durch solch eine Community hat man eine Art Präselektion für die Partnerwahl – und man hat zudem direkten Kontakt zu Leuten, die wahrscheinlich das gleiche hinter sich haben, wie man selbst, egal in welcher Lebens- oder Liebeslage man sich gerade befindet.
Meiner Meinung nach sollte man allerdings auch darauf achten, dass man nicht zu weit in die Szene hinein rutscht – es gibt einige, die sich nicht nur Freunde gemacht haben und zum Schluss allein dastanden. Abgesehen davon läuft man ansonsten Gefahr, die gesamte Welt durch eine Regenbogen-farbene Brille zu sehen und zu verkennen, dass da draußen nicht alles nur Friede-Freude-Eierkuchen ist: aber das ist nur mein kritischer Kommentar als fast-Szene-Fremder
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schwules Pärchen kuschelt
Abschließend wollte ich euch noch ein wirklich romantisches Bild präsentieren (entlehnt aus
Wikimedia, bzw.
Flickr – von
Torsten Seiler), das meiner Meinung nach sehr gut verdeutlicht, worum es bei der ganzen Sache überhaupt geht:
es geht nicht um schwul oder hetero, um maskulin oder feminin – es geht einzig und allein darum, für einander da zu sein und dem Partner die Liebe und Geborgenheit zukommen zu lassen, die er oder sie verdient
. Ist es nicht völlig egal, wen man liebt, solange man überhaupt liebt!
Ich persönlich bin (als Bi-Sexueller) inzwischen zu der Überzeugung gekommen, dass das Geschlecht des Partners völlig egal ist – wichtig ist das für die Gefühle zum Partner doch schlussendlich eh nicht
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Queerige Grüße, Kenny