Die Zahl des Tages: 92

Gerade erst online gekommen und schon eine URL getwittert gekriegt - Ziel ist ein Artikel von Welt-Online: 92 Prozent der Deutschen für Kinderporno-Sperre.

Hauptinformation dürften dabei wohl folgende Sätze sein:

92 Prozent der Deutschen haben einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap im Auftrag der Deutschen Kinderhilfe für die Sperrung kinderpornografischer Seiten im Internet plädiert.
[...]
„Das Ergebnis der Umfrage bestätigt meinen Eindruck, dass es sich bei den Unterschreibern der Online-Petition um Internetliebhaber, Blogger, im Grunde also um eine Minderheit handelt wenn auch eine gut organisierte“, sagte der Chef der Deutschen Kinderhilfe, Georg Ehrmann.
[...]
Die Kinderhilfe setzt sich seit langem für eine Sperrung bestimmter Internetseiten ein. In den kommenden Tagen wollen Mitarbeiter der Organisation im Frankfurter Bankenviertel, vor großen Betrieben zum Schichtwechsel, in Fußballstadien und Fußgängerzonen um Unterschriften werben.

(Artikel der Welt-Online | Hervorhebung von mir)

Gut, wo fangen wir denn an? Dass die Welt ein Springer-Medium und daher anfällig für Populismus ist, muss ich wahrscheinlich nicht erwähnen.

Deshalb gehe ich mal direkt über zur Infratest dimap, die vor allem für "die Hochrechnungen und Prognosen bei Wahlabenden bekannt" (Wikipedia) sein dürfte. Fraglich ist, warum genau dieses Unternehmen (eine GmbH) mit der Umfrage betraut wurde. Diesbezüglich sollte man evtl. auch einmal erwähnen, dass bereits 2005 Kritik an der Parteinähe der großen Umfrageinstitute geübt wurde und sich dort ausgerechnet der Geschäftsführer von Infratest zu Wort meldete, um die Sachlage zu klären.

Weiter zur Deutschen Kinderhilfe: dieser Name mag zwar Vertrauen wecken, jedoch sollte man sich noch einmal genau überlegen, ob Worte nicht vielleicht doch nur Schall und Rauch sind. Grund dafür ist die Diskussion bei Wikipedia, da anscheinend "jemand" mehrfach versucht hat, den Wikipedia-Artikel zur Deutschen Kinderhilfe zu erweitern und dabei unliebsame Kritik gleich mit zu entfernen. Ein Schelm, wer böses dabei denkt! Besonders störend dürften wohl folgende Informationen für das eigene Image sein:

2006 geriet einer der Landesverbände in die Kritik und gab seine Gemeinnützigkeit auf.

Der Deutsche Spendenrat (DSR) hat die Deutsche Kinderhilfe im Juni 2008 aus seiner Mitte ausgeschlossen. Zuvor war der Umgang der Kinderhilfe mit Spenden als intransparent kritisiert worden.
(Wikipedia-Artikel zur Deutschen Kinderhilfe)

Nachdem wir uns also angeguckt haben, wer an diesem Artikel alles beteiligt ist, stellt sich natürlich die Frage, welche Fragen denn gestellt wurden? Dazu gibt es leider keine Informationen. Ich hatte zwar versucht, über die Webseite der Infratest dimap und der Webseite der Deutschen Kinderhilfe an die Informationen zu gelangen, doch auf der Infratest-Seite gibt es dazu keine Informationen und die Seite der Kinderhilfe wird zur Zeit leider gebaut - wie ärgerlich!

Die Aussage vom Chef der Deutschen Kinderhilfe, dass an der Petition vor allem "Internetliebhaber, [...] eine Minderheit" teilgenommen hätten, möchte ich an dieser Stelle nicht kommentieren - es könnten sonst unschöne Worte fallen, schließlich maßt sich dieser Mensch eine Beurteilung der Petenten an.

Deshalb zum letzten Absatz: nämlich, dass diese "Organisation" jetzt auf der Straße Unterschriften sammeln will - "im Frankfurter Bankenviertel, vor großen Betrieben zum Schichtwechsel, in Fußballstadien und Fußgängerzonen" (Welt-Online). Kriegt jemand etwas mit? Sie postieren sich genau da, wo zwar Leute langkommen, die den deutschen Bundesdurchschnitt darstellen könnten - jedoch in Situationen, in denen diese sich garantiert nicht mit Politik befassen können oder wollen.
Im Gegensatz zu diesen Leuten auf der Straße hatte jeder einzelne der Unterzeichner der Online-Petition die Chance, sich umfassend im Internet über das geplante Gesetz zu informieren und konnte dann eine überlegte Entscheidung treffen, die durch eine Zwangsregistrierung auf der Petitionsseite sogar noch erschwert wurde (Stichwort: Hemmschwelle)!
Stattdessen werden hier unbedarfte Leute abgegriffen, die sicherlich nicht die Möglichkeit bekommen werden, sich umfassend zu informieren. Diesen wird wahrscheinlich nur die Frage "Sind sie gegen Kinderpornographie?" um die Ohren geworfen werden, um dann als politische Meinung uminterpretiert zu werden.

Interessant ist übrigens mal wieder die Meinung der "Online-Minderheit": diese kann nämlich abstimmen, ob sie den Artikel der Welt-Online lesenswert fand. Das Ergebnis: 92% der Leser fanden den Artikel nicht lesenswert. Tendenz steigend.

Welt-Online: 92%

Welt-Online: 92%


92%ige Grüße, Kenny

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  1. Pingback: Internetsperren 17.05.2009: Artikel und Kommentare am Sonntag « Wir sind das Volk

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