Filesharing IST eine marktwirtschaftliche Aussage

Gerade habe ich von @Scytale einen Link zu einem Artikel der Zeit Online erhalten, der von Christian Sommer - der Vorstandsvorsitzender der "Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen" - geschrieben wurde. In dem Artikel mit dem Namen "Downloaden für die Demokratie?" setzt er sich mit dem Thema Filesharing auseinander.

Den allgemeinen Tenor des Artikels und die vor Platitüden strotzdenden Aussagen, will ich an dieser Stelle nicht nochmal wiederholen oder kommentieren. Mir geht es lediglich um einen kleinen Absatz auf der zweiten Seite des Artikels. Dort heißt es:

Wenn es tatsächlich darum ginge, das "Broadcast-Modell aufzubrechen", [...] dann wäre das zunächst eine marktwirtschaftliche Frage [...].
(Christian Sommer in der Zeit Online)

Ich mag mich ja irren - und bitte korrigiert mich, wenn ich das tue - aber ich dachte immer, Umsatzeinbußen eines Unternehmens wären eine marktwirtschafte Antwort, die eine "marktwirtschaftliche Frage" beantwortet? Ich meine, dass die Musikindustrie nach Jaaahren des Zögerns, des Meckern und des Klagens verstanden hat, dass die Kunden gerne online Musik erwerben wollen - und zwar nicht zu Ladenpreisen - hat doch gezeigt, dass hinter dem Filesharing tatsächlich eine wirtschaftliche Kraft steht.

Gäbe es eine politische Dimension, dann wäre es nur konsequent, die Produkte der Multis mit den Äxten eben nicht zu konsumieren, sondern zu boykottieren. Paradoxerweise findet aber das nicht statt. Im Gegenteil.
(Christian Sommer in der Zeit Online)

Da hat Herr Sommer aber anscheinend etwas nicht verstanden: Das Problem sind doch nicht die Produkte! Das Problem sind die "Multis mit den Äxten"! Wieso sollte ein normal denkender Mensch die Produkte boykottieren, die er gerne konsumieren möchte, wenn er doch nur den Geldhahn der Multis zudrehen will?

Aber um diese Form des politischen Aussage des Filesharing ging es im Ausgangsartikel "Die politische Dimension des Teilens" des Chaos Computer Clubs garnicht. Dort wurde beschrieben, dass Filesharing eben nicht nur zum Austausch von illegalen Inhalten dient, sondern auch zur Verbreitung von freiem Wissen. Weiterhin wird darin beleuchtet, dass Filesharing ein ideales Medium wäre, um auch kommerzielle Inhalte zu verteilen, wenn endlich ein Weg gefunden werden würde, die Bezahlung der Inhalte ordentlich zu regeln.
Mit solch einer umfassenden Lösung könnte dann jeder zum - sowohl freien als auch kommerziellen - Inhaltsanbieter werden, ohne sich um etwaige Verteilungswege kümmern zu müssen. Und genau deshalb gibt es solch eine starke Content-Lobby; denn die Verlage, Musiklabels und Filmverleihe werden genau dafür bezahlt: Für die Aufgabe, Inhalte für Interessen verfügbar zu machen. Genau diese Unternehmen würden durch einen freien Verteilungskanal früher oder später sterben.

Kommentierende Grüße, Kenny

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