Ich hasse deutsche Filme!

Ein provokanter Titel für ein Thema, das mir schon während meines Abiturs unter den Nägeln gebrannt hat: Ich hasse deutsche Filme! Aber nicht nur die: Auch deutsche TV-Serien wie Daily Soaps kann ich mir einfach nicht antun. 🙁
Schuld daran ist aber nicht nur der Inhalt, sondern auch die Regie!

Vielleicht ist euch das auch schon einmal aufgefallen: Ihr macht den Fernseher an und ohne in den Teletext zu gucken, wisst ihr instinktiv, ob ihr da gerade eine deutsche Produktion oder eine ausländische Produktion seht.

Man erkennt es z.B. am Filmmaterial - es mag zwar bizarr klingen, aber irgendwie sieht man, dass deutsche Filme eine ganz andere Bildqualität als z.B. amerikanische Filme aufweisen. Die Farben sind klarer, die Bilder ingesamt weit weniger unscharf. Aber genau das raubt ihnen die Stimmung.
Die Bilder, die man bei deutschen Filmen serviert bekommt, sind viel zu perfekt. Das ist vllt. praktisch bei Dokumentationen - von denen es einige gute im deutschen TV zu sehen gibt - aber bei Filmen ist das der Tod.

Aber da ist noch mehr, was ich leider nicht wirklich einordnen kann. Deutsche und amerikanische Serien und Filme mögen ähnliche Inhalte bearbeiten, aber das Resultat ist in beiden Ländern grundverschieden. Wir Deutschen scheinen alle Situationen möglichst realistisch darstellen zu wollen. Ob es Schlägereien, Explosionen, Feuer, Verfolgungsjagden oder sonstewas sind - sie alle sind zu genau.

Ein Typ, der nach einem Gesichtstreffer mit der Faust zu Boden geht, mag zwar realistisch sein, aber dafür auch ziemlich langweilig. Ein Mädel, das bei ihrem Schwarm abblitzt, ihre beste Freundin anruft und dann mit ihr heult, mag auch realistisch sein, aber ist nunmal auch ebenso langweilig.
Aber genau so sehen die deutschen Daily Soaps à la GZSZ, Unter Uns, etc. nunmal aus - und keine von ihnen habe ich jemals gemocht.

Nehmen wir als Gegenbeispiel mal die Serie Everwood: In dieser zieht einer der besten Neurochirurgen nach dem Tod seiner Frau gemeinsam mit seinen Kindern in das kleine Städtchen Everwood, um sich dort als Landarzt niederzulassen, der die Leute ohne Behandlungskosten versorgt und damit den ansässigen Landarzt verärgert.
Das klingt nach einem typischen Dr. Stefan Frank-Verschnitt, doch trotzdem waren die Charaktere in der Serie sympatisch. Schicksalschläge gab es am laufenden Band - wie bei deutschen Serien übrigens auch - aber trotzdem transportierte die Serie viel mehr, als es wohl alle deutschen Serien zusammen könnten.

Von den ganzen erstklassigen Sitcoms und Comedy-Serien, die die Amerikaner und Briten zu bieten haben, möchte ich an dieser Stelle garnicht erst anfangen. Ich denke, würden sich deutsche Regisseure an Alltagskomödien versuchen, würde das ganze tierisch nach hinten losgehen.

Ich werde mich wohl damit abfinden müssen, dass man aus den deutschen Studios nur von der harten Comedy und von den Dokumentationen etwas erwarten darf. 🙁

Unzufriedene Grüße, Kenny

8 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich denke eher das es daran liegt, dass die Deutschen Filmemacher zu sehr den amerikanischen nacheifern. Die meisten Filme sind einfach schlechte Kopien, in denen versucht wird die internationalen Filme (und ihre Art) zu imitieren um mit ihnen mithalten zu können, was jedoch selten gelingt!
    Die Deutschen sollten sich eher darauf konzentrieren eigene Projekte nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen, um sich damit eine eigene Film-Identität zu schaffen, anstatt dem ach so herrlichen Amerika hinterher zu laufen.
    Die Inder mit ihren "Bollywood"-Filmen wären da ein gutes Beispiel: sie sind zwar nicht jedermanns Geschmack (mir gefallen die überhaupt nicht), aber trotzdem haben sie sich über die halbe Welt verbreitet.

    Denn Kopien sind bekanntlich immer schlechter als das Original.

    • Ich finde ehrlich gesagt nicht, dass die deutschen Filmemacher den Amerikanern sehr nacheifern. Dass das Problem nicht die Schauspieler sind, sieht man übrigens ans Hollywood-Stars wie Ralf Möller.

  2. Insgesamt mag es stimmen, dass man sich in den USA mehr Mühe gibt. Allerdings hat man dort auch ein Publikum von über 200 Millionen Menschen und einen Globus, der einem auch noch den letzten Dreck aus den Händen reißen wird, um ihn synchronisiert zu versenden.

    Fairerweise sollte man vielleicht auch die Produktionsbudgets vergleichen. Es ist logisch, dass man für ein viertel des Geldes nicht die gleiche Qualität an Buch, Ausstattung, Beleuchtung etc. bekommt und auch mit weniger Drehtagen zurechtkommen muss.
    Battlestar Galactica, Dexter oder Six Feet Under sind komplett undenkbar in deutschen TV-Strukturen. Der passende Vergleich für eine Soap wäre dann auch eine andere Soap. Reich und schön ist nun wirklich nicht über dem Niveau der durchschnittlichen deutschen Soap, und wenn du nachts das ZDF einschaltest, findest du auch die US-TV-Streifen, die du mal mit dem Tatort vergleichen kannst.

    Dass deutsche Bilder schärfer sind mag zum Teil am Transfer von NTSC auf PAL liegen. Gerade bei älteren Serien entsteht dadurch ein spezieller Look, an den du mit deiner 80/90er Jahre Sozialisation deine Sehgwohnheiten angepasst hast. Insofern ist das natürlich auch eine Frage der Konditionierung.

    Inhaltlich haben deutsche Filme übrigens amerikanischen gerne mal etwas voraus. Das hat den Nachteil, dass es weniger hirntote Aktionstreifen gibt und auch bei geistreicheren Filmen schnell mal die Leichtigkeit abhanden kommt. Das bedeutet allerdings, dass Filmschrott wie Taken mit Liam Neeson oder Star Wars Episode I-III hier niemals produziert werden könnte, was schon wieder ein Grund sein sollte, der einheimischen Industrie dankbar zu sein...

  3. Der Titel deiner Post sagt natürlich einiges darüber, wie du den deutschen Film findest. Wobei ich finde, es gibt einige wenige deutsche Comedy Shows, die ziemlich gut sind, bei denen man trotzdem das Gefühl hat, dass deren Macher bzw. Darsteller jederzeit gerne bereit wären, sich für ihr Komischsein bzw. für ihr Nichtseriössein zu entschuldigen, was sie wiederum komisch macht. Aber wie findet ihr beispielsweise Switch Reloaded auf Pro7. Ich finde die Jungs und Mädels dort machen einen ziemlich guten Job. Sehr detailgetreue Parodien. Oder auch Kalkofes Mattscheibe, die gibt es nicht mehr, glabe ich.

    • Solche Formate wie Switch Reloaded habe ich jetzt einfach mal unter dem Begriff der "harten Comedy" zusammengefasst. Natürlich gibt es gute Comedy-Format (wie gesagt), aber versuche mal z.B. etwas zu finden, dass halbwegs in Richtung Sitcom o.ä. gibt. Die Formate, die es mal gab (dazu zähle ich z.B. Ritas Welt) sind schon längst wieder tot.

  4. Zum Bild: Deutsche Filme werde oft mit einer anderen Bildwiederholungsfrequenz gedreht. Man sieht es ihnen direkt an, weiß aber nicht genau, woher es kommt. Stichwort "Soap Effekt"

  5. Volle Zustimmung - deutsche Serien bzw Produktionen kann ich mir auch nicht antun. Zumal viele davon auch einfach nur 1 zu 1 Klone von erfolgreichen ausländischen Produktionen sind (vergleiche "Elton vs Simon" mit "Kenny vs Spenny", "Stromberg" mit "The Office" oder noch schlimmer die damalige Sat1 Produktion "Das iTeam" mit "The IT Crowd").
    Es gibt allerdings wenige Ausnahmen die ich mir ab und zu ganz gerne antue: Goodbye Lenin und Die fetten Jahre sind vorbei zum Beispiel.

    Noch schlimmer als deutsche Produktionen finde ich aber schon fast die deutschen Synchronisationen von ausländischen Werken - da werde ich auch gerne zum Pirat um in den Originalgenuss zu kommen.

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