Nofollow gefährdet das Web

Eigentlich hatte ich vor, im Artikel des Monats Juni über ein ganz anderes Thema zu schreiben, aber wie es scheint, haben die Jungs von Bloxxo.de mit ihrem Umfrageartikel von diesem Sonntag zum Thema "Herrscht in der deutschen Blogosphäre Linkgeiz" eine richtige Welle losgetreten.
Bereits einen Tag später haben sich sowohl kleinere Blogs wie seo2feel, als auch Größen der Szene diesem Thema angenommen - darunter unter anderem die Blogger-World und die Blog-Parade.

Das Thema selbst ist dabei garnicht mal so neu. Bereits 2005 hat Google das sogenannte Nofollow-Attribut eingeführt, um damit dem Linkspam entgegenzuwirken. Bei der Einführung wurde jedoch anscheinend nicht der Egoismus der Webseitenbetreiber berücksichtigt.
Im Grunde sind Links Empfehlungen eines Seitenerstellers für den Leser: sozusagen ein "Guck mal dort, dort findest du evtl. weitere interessante Informationen zu dem Thema". Die Suchergebnisliste von Googel z.B. basiert unter anderem auch darauf, von wievielen anderen Leuten eine Seite verlinkt wurde - durch das Nofollow-Attribut existiert zwar der Link, aber er wird von Google nicht weiter beachtet.
In letzter Konsequenz wird dadurch die natürliche Struktur des Web beschädigt: gute Seiten, die oft referenziert werden, werden nicht oft gelesen, weil sie in Suchergebnissen nicht auf den kritischen ersten 2-3 Seiten zu finden sind.

Nicht nur kleine Webseiten stören auf diese Weise das Gefüge: ein prominentes Beispiel des Nofollow-Einsatzes ist z.B. das offene Mitmach-Lexikon Wikipedia - bereits vor Jahren wurde auf Perlentaucher.de über dieses massive Problem berichtet.
Einzige Schlussfolgerung scheint, Wikipedia dadurch zu schädigen, wodurch es überhaupt erst so erfolgreich geworden ist: durch die Nutzung der gleichen Technologie wird versucht, Wikipedia in den Suchergebnis-Listen der großen Suchmaschinen deplatzieren.
Da führt sogar soweit, dass es eigene Plugins gibt, die nur dazu da sind, um Links zu Wikipedia in Nofollow-Links umzuschreiben.
Ich verwende hier auf WeizenSpr.eu ein DoFollow-Plugin, das Wikipedia-Links jedoch weiterhin mit dem Nofollow-Attribut versieht.

Doch was kann man gegen die Nutzung von Nofollow unternehmen?
Mein eigener Lösungsansatz ist zwar radikal, würde jedoch evtl. einen Weckruf in der deutschen Webcommunity hervorrufen: Es sollte so etwas wie eine schwarze Liste geben, auf der die Webseiten geführt werden, die Nofollow-Links einsetzen. Über diese würden Links zu diesen Seiten ebenfalls auf Nofollow gesetzt werden - so lange, bis die entsprechenden Seiten die Nutzung von Nofollow einstellen.
Spätestens wenn die Leute schlechtere PageRanks erhalten und dadurch Werbeeinnahmen verlieren, verstehen sie vielleicht, dass es sich beim Web um eine lebendige Community handelt und Seiten von dieser gepusht oder aber auch fallen gelassen werden können.
Damit wäre allerdings nur ein Teil des Problems gelöst. So würde Links zwar wieder ein höherer Wert zugeschrieben werden können, die Leute, die überhaupt nicht verlinken, würde dies allerdings nicht interessieren.

Man muss sich in diesem Bereich jedoch auch die Frage stellen, ob es überhaupt einen Zwang zum Verlinken geben kann und ob es diesen wirklich geben sollte?
In meinen Augen kann und sollte es keine Verlinkungspflicht geben - es sollte jedoch eine allgemeine Aufklärung darüber geben, was externe Links bedeuten, wie diese den eigenen PageRank beeinflussen und wie natürlich gewachsene Verlinkungen das Web als strukturschwaches Medium unterstützen und für den Konsumenten nützlicher machen können.

Abschließend würde mich natürlich interessieren:
Verwendest du auf deiner Seite das Nofollow-Attribut? Warst du dir dieser Problematik bereits bewusst? Wie könnte man deiner Meinung nach die Verlinkungsbereitschaft erhöhen?

Im aktuellen "Spreu oder Weizen?" kannst du deiner Meinung zur Nutzung des Nofollow-Attributs ebenfalls noch einmal Ausdruck verleihen.
DoFollow-Grüße, Kenny