Politik ohne IT-Sinn und -Verstand

In letzter Zeit häufen sich mal wieder die dummen Einfältigkeiten unserer deutschen Politiker. Liegt das am besser-werdenden Wetter oder an deren geringem Wissen? Ich weiß es einfach nicht...

Ob es nach dem Amoklauf in Winnenden nun wieder um die Killerspiel-Problematik geht, um das Einführen einer Internet-Sperrliste oder das allseits beliebte Thema der "Online-Durchsuchungen".

Ich meine... wann verstehen diese Menschen es endlich mal, dass das alles überhaupt keinen Sinn hat?! Aber bis die endlich mal wenigstens einen Funken Ahnung von der Technologie haben, werde ich wohl bereits unter der Erde liegen.

Fangen wir mal mit der Verschärfung der Bestimmungen für "Killer-Spiele" an: Was soll das bringen? Die, die sich die Dinger im Laden besorgen wollen und es nicht dürfen, werden doch spätestens durch die Ausweis-Kontrolle gestoppt. Alles weitere wäre reine Schikane für die, die diese Spiele sowieso spielen dürfen. Die meisten, die solche Spiele nicht spielen dürfen, holen sie sich doch sowieso im Internet - dabei ist es egal, ob sie sie mit dem Ebay-Account der Eltern ersteigern, illegal downloaden oder in irgendeinem Online-Shop kaufen. Oder sie wünschen sich die Spiele zum Geburtstag oder lassen sie sich von größeren Geschwistern kaufen! Und sollten die Spiele "entschärft" werden, werden eben die Originale aus den USA importiert - ob Weiß-, Schwarz- oder Grau-Import spielt da dann doch eh kaum mehr eine Rolle.

Machen wir weiter mit der Internet-Sperrliste: hier wieder genau die selbe Kurzsichtigkeit auf Seiten der Politik! Wenn die deutschen Provider die Seiten sperren, baut man halt einen (verschlüsselten) VPN-Tunnel ins Ausland auf (z.B. über einen Anbieter wie SwissVPN) und surft dann von dort aus weiter. Man stelle sich vor, die Provider sperren SwissVPN aus - das wäre mal ein echter Eklat. Immerhin würden dem Anbieter dadurch Einnahmen flöten gehen.
Aber denken wir mal weiter... wenn ein offizieller Anbieter im Ausland VPN-Tunnel anbieten kann, dann kann das auch ein illegaler Anbieter, der einfach nur einen Zwischenschritt schafft, über den die Kunden an dessen Inhalte kommen.
Wir leben nicht mehr in der Mitte des 20sten Jahrhunderts, wo nur wenige IT-Riesen sich einen Computer leisten konnten. Solche Zwischenserver sind schnell eingerichtet, im Netz und von überall erreichbar. Zur Not verteilt man eine Liste mit den derzeit gültigen IP-Adressen dieser Zwischenserver über ein Peer-to-Peer-Network und schon kann man ja mal versuchen, das Netz auszurotten. Einfach lachhaft!

Und nun zu den "Online-Durchsuchungen": besonders lustig fand ich dort die Aussage, dass man Zugriff auf E-Mails haben müsste, bevor diese verschlüsselt werden können.

Strafverfolger müssten bei schweren Taten die Möglichkeit haben, mit Hilfe von Spionage-Software beispielsweise Internettelefonate abzuhören oder E-Mails abzufangen, bevor eine Software diese Daten verschlüsselt, betonte dagegen Bosbach. Der CDU-Politiker sagte, dass man dafür sorgen müsse, dass sich Straftäter nicht mit Hilfe von Verschlüsselungstechniken der Strafverfolgung entziehen könnten.
(Heise-Artikel vom 21.03.09)

Diese Leute denken also, sie könnten sich so mir-nichts, dir-nichts zwischen mich und mein Mail-Programm zwängen - zumal das ja dann eher einer "Offline-Untersuchung" gleich käme? Auf welcher Grundlage kommen diese Leute eigentlich zu der Überzeugung, dass sie zu sowas fähig sind?
Schließen sie etwa von ihren unsicheren Privat- und Behörden-PCs auf meine abgeschottete PC-Hochburg? Wie wollen sie denn allein schon das Zeug auf meinen PC kriegen? Einschleusen wie einen (Bundes-) Virus/Trojaner? Da wären sie nicht die ersten, die das versuchen. Doof nur, dass es Antiviren-Programme gibt, die genau gegen sowas schützen. Und es würde mich wundern, wenn ausländische AV-Hersteller sich einen Dreck um die Bitten eines deutschen BKAs scheren.
Man könnte die Programme natürlich auch bei einem Einbruch aufspielen - aber dazu müsste man erstmal das Passwort zu meiner verschlüsselten Platte kennen, das Passwort zu dem TrueCrypt-Container kennen, in dem wiederum ein VMware-Image ist, auf dem die E-Mails in einem Thunderbird-Profil stecken, das sich in einem TrueCrypt-Container befindet. (Durch die Nutzung einer VMware wird übrigens auch die Gefahr eines Virus/Trojaner so gut wie gebannt).
Wie sollen die Daten aber wieder zum BKA kommen? Online? An meiner Desktop-Firewall und der Firewall in meinem Router vorbei? Das möchte ich gerne mal sehen 🙂 !
Oder sollen die Daten bei einem weiteren Einbruch wieder vom PC runterkopiert werden? Von einem PC, für dessen verschlüsselte Partition sie das Passwort nicht haben?

Der geneigte Leser mag nun zwar denken: wieso sollte sich jemand so viel Mühe bei der Sicherung seiner Daten machen?!
Nunja... das ganze wird ja als "Schutz vor Terroristen" proklamiert... nur werden vor allem die wahrscheinlich jede schützende Maßnahme ergreifen, die sie finden können!
Politiker-auslachende Grüße, Kenny

Schreibe einen Kommentar

Um Ihnen beim weiteren Kommentieren auf dieser Webseite die erneute Eingabe Ihrer Daten zu ersparen, wird beim Absenden Ihres Kommentars ein Cookie an Ihren Browser gesendet und von diesem gespeichert. Mit dem Absenden eines Kommentars auf dieser Webseite stimmen Sie der Speicherung und Übertragung dieses Cookies explizit zu.

Pflichtfelder sind mit * markiert.