Was die können, kann ich schon lange!

Heute wurde die Zahl von 130.000 Mitzeichnern bei der Online-Petition gegen die geplante Internetzensur erreicht, die in ca. 2 Stunden ausläuft - trotz der massiven Serverprobleme, die die bisher größte Online-Petition des Bundestages hervorgerufen hatte.

Und was hat es gebracht? Garnichts! Denn bereits gestern Abend hatten sich die Wirtschaftspolitiker der großen Koalition auf eine gemeinsame Linie geeinigt. So sieht es also aus, wenn die SPD Bauchschmerzen bei einem Gesetzesentwurf hat: es wird mit unzureichenden Änderungen trotzdem durchgewunken und Parteianträge, die das Gesetz vollständig ablehnen, einfach ignoriert.

Lob gebührt hier dem Datenschutzbeauftragen Peter Schaar, der sich nicht hat instrumentalisieren lassen. Dieser hat die Verantwortung für die Sperrliste abgelehnt - mit der Begründung, dass er sich mit dem Themengebiet nicht auskennen würde. Wenn doch nur wenigstens ein paar Politiker ähnlich reagieren würden! Aber soetwas wie Unwissenheit kennen diese Leute ja nicht!

Da ist es auch wenig verwunderlich, dass die kürzlich erschienene Polizeistatistik bisher von keinem Politiker auch nur erwähnt wurde! Schließlich erkennt man in dieser doch, dass die Zahl der KiPo-Delikte in 2008 so niedrig war, wie zuletzt im Jahre 1993 - also vor dem Beginn des Internetbooms!

So ist es kaum verwunderlich, dass die nun getroffene Übereinkunft keinen Experten vom Hocker haut. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass sowohl der Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur, als auch der Chaos Computer Club alle weiteren Gespräche mit der SPD abgesagt hat - da es vorher nichts gebracht hat, wäre solch ein Treffen nun nur noch reine Zeitverschwendung.

Aber auch ich war heute nicht untätig: so bin ich auf die Seite Uberwach.de gestoßen, auf der man u.a. eine Liste von bekannten Bundes-IPs findet. Diese Daten habe ich nun verwendet, um meine ganz persönliche Zensur-Infrastruktur aufzubauen.

WeizenSpr.eu Zensur

WeizenSpr.eu Zensur

Getreu dem Motto: nicht schön, aber selten 😉 .
Zensierende Grüße, Kenny

8 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hi,

    zu dieser Zensurgeschichte kann ich nur sagen: " Wir sind das Volk, das Volk wählt Volksvertreter!" sowiet so gut, nur... die Vertreter des Volkes scheren sich einen feuchten Kehricht um das Volk. Man muss nur mal schauen wieviele Volksverteter bei den Sitzungen im Reichtstag anwesend sind, ... nicht viele. Wen man wählt ist langsam egal, die Interessen des Volkes stehen eh nicht an ERSTER Stelle.

  2. Zuerst: Ich wollte gestern über dein mobiles Frontend einen Kommentar schreiben, das hat nicht funktioniert, überprüf das mal. Schreiben ging, beim Absenden kam ne Fehlermeldung.

    Zum Zweiten: Du hast dir die Mühe wohl umsonst gemacht, ich habe gestern ein wp-Plugin gefunden, welche die IPs aus der Liste überprüft und den Sperrscreen einblendet.

    Link gibts hier http://u.nu/9gfc
    via basicthinking

    • Danke für den Link. Habe mir das Plugin mal angesehen. Werde wahrscheinlich trotzdem bei meiner Lösung bleiben - bin ja doch stolz auf die Umsetzung. 😉

  3. Was haben die Befugten für Gesetzesänderungen aus ihrem Priveleg durch Wählerinennn und Wähler daraus gemacht? Wir möchten nicht wissen wo das hinführt.... und wir wissen nicht was wir ändern können.

  4. Von welcher Aktion hast du denn gehört? Habe ich mir umsonst Mühe gegeben, die Sperre zu programmieren? 😀

    Das tolle ist ja: auf der Liste finden sich auch etliche IP-Ranges des BKA - also den neuen Webhütern in spe.

  5. Wieso war mir eigentlich klar, dass du der Erste sein wirst, der diese freiwillige Sperrung seiner Seite mitmacht, als ich heute Mittag von der Aktion gehört habe??? 🙂

    Nunja, ärgerlich nur, dass Politiker mehr zu tun haben, als während der Arbeitszeit auf irgendwelchen Hobby-Blogs rumzusurfen.

    Meine Meinung also: Schöne Aktion, wird aber leider weniger bewirken als erhofft.

    Vielleicht doch nur ein Mittel, um der gekränkten Datenschützerseele Luft zu machen?

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