Amazon – der Feind!

Ihr habt es wahrscheinlich schon gehört: Wikileaks hat die kürzlich veröffentlichten Dokumente bei Amazon gehostet und die haben die Dateien nun offline genommen. Ich habe vorhin schon erwähnt, dass ich sehr merkwürdig finde, dass Wikileaks überhaupt auf die Idee gekommen ist, die amerikanischen Dokumente ausgerechnet auf Server in Amerika hosten zu lassen.

Die Reaktionen darauf sind natürlich mal wieder äußerst köstlich: So kündigen einige Golem-Leser z.B. an, ihre Amazon-Zugänge zu löschen und auch sonst gibt es viel Geschrei und Amazon-Gebashe. Ich weiß ja nicht, ob ich auf meine alten Tage langsam konservativ werde, aber: Was soll der Scheiß?

So sehr mir das Ziel von Wikileaks - in diesem Fall die vollständige Transparenz der Politik - zusagt, so sehr sollte man sich auch überlegen, mit welchen Mitteln diese Transparenz derzeit erzwungen wird. Ehrlich gesagt erinnert mich das ganze sehr an die Probleme in Nordirland. Auf der einen Seite gab es Sinn Féin als politischen Arm der Wiedervereinigungsbewegung und auf der anderen Seite die Irish Republican Army, die abseits der Politik für die Unabhängigkeit von der britischen Krone kämpften.

In dem Kampf, den Wikileaks derzeit führt, ist das Bild genau das gleiche: Auf der einen Seite gibt es Bewegungen wie die Piratenpartei, die versucht, mit politischen Mitteln eine Freigabe von staatlichen Dokumenten zu erreichen. Und auf der anderen Seite gibt es Wikileaks - ein Zusammenschluss, der dabei hilft, Dokumente zu veröffentlichen, deren Verbreitung in vielen Ländern als gesetzwidrig eingestuft wird.
Natürlich, im Gegensatz zur IRA setzt Wikileaks keine Waffengewalt ein - schließlich handelt es sich hierbei um einen digitalen Aufstand. Die Gesetzwidrigkeit bleibt dennoch weiter bestehen, auch wenn sie sich hinter Fassaden wie dem Urheberrecht verstecken muss.

Die Frage, die man sich deshalb zwangsläufig stellen muss, ist: Sollte man ein Unternehmen verachten, weil es kein Interesse daran hat, an gesetzwidrigen Aktionen teilzuhaben?
Man mag kritisieren, dass Amazon nicht einmal auf die richterliche Verfügung gewartet hat, sondern schon vorher reagiert hat. Aber macht man sich damit nicht auch schon wieder unglaubwürdig? Schließlich wird bei der Internetzensur damit argumentiert, dass man keine weiteren rechtlichen Mittel benötigen würde, da Provider auch ohne solche sehr schnell auf Abuse-Meldungen reagieren. Genau das hat Amazon hier im Endeffekt getan.

Wie man sich auch entscheidet und welche Argumente man für sich auch immer findet: Man sollte sich immer vor Augen führen, dass Wikileaks ein heißes Eisen ist, an dem man sich sehr schnell die Finger verbrennen kann...
Kritische Grüße, Kenny