Appell für unabhängigen und günstigen Individualjournalismus

Der Journalismus hat es in der letzten Zeit wirklich nicht leicht: Auf der einen Seite wird der Platz der Auslandsreporter inzwischen von Twitterern eingenommen und auf der anderen Seite hat die Lokalpresse mit enthusiastischen Bloggern zu kämpfen. 😀

Am Mittwoch hat nur die Bundeszentrale für politische Bildung zu einem Kongress eingeladen, auf dem der Präsident der bpb - Thomas Krüger - einen Appell an die Verlage gerichtet hat, durch Sparmaßnahmen nicht die Qualität des Zeitungsjournalismus zu zerstören.

"Ohne professionellen, auch teuren Journalismus, also ohne Leitartikel und Lokalspitzen, Reportagen und Analysen löst sich die Presse in Nichts auf"
(Thomas Krüger, Präsident der bpb)

Da es hier um den Lokaljournalismus geht, möchte ich dazu mal meine eigene Meinung kundtun: Ja, wir brauchen professionellen Journalismus - die häufig angesprochenen Blabla-Blog (wie auch ich ihn teilweise betreibe) reichen nicht aus, um sich fundiert über örtliche Nachrichten zu informieren. Aber ich bin nicht der Meinung, dass dieser Journalismus teuer sein muss!

Es gibt so viele Leute, die in ihrer Freizeit irgendwelche Events besuchen, die auf dem Nach-Hause-Weg Unfälle beobachten oder die direkt mit irgendeinem Problem konfrontiert sind. Heutzutage ist es so einfach möglich, selber Informationen zu publizieren - auch die Möglichkeit, gemeinsam Informationen zusammen zu tragen, ist gegeben. Wieso müssen also Reporter bezahlt werden, die sich über solche Alltagsgeschehnisse informieren, wenn jeder einzelne Betroffene (einer reicht bereits aus) das gleiche tun kann? Natürlich sind solche Bericht meist subjektiv geprägt und enthalten nicht alle Fakten.
Aber wozu muss man wissen, wieviele Tote es bei einem Verkehrsunfall gab? Viel wichtiger ist doch zu wissen, weshalb der Ehemann an dem Abend 2 Stunden länger bis nach Hause gebraucht hat. Wozu muss man wissen, wie teuer ein Bauprojekt ist? Wichtig ist doch, zu wissen, was gebaut wird und für wen. Jedem, der mehr wissen möchte, steht es frei, sich weitergehend zu informieren und seine Erkenntnisse wiederum zu teilen.

Natürlich lässt sich damit kein Geld verdienen - oder zumindest nicht viel - aber welche Kosten entstehen denn im Vergleich dazu? Man meldet sich bei einem kostenlosen Dienst an, investiert ein wenig seiner Freizeit in das Verfassen eines Artikels und erhält als Dank Aufmerksamkeit und schriftliche Reaktionen der Leser.

Wenn sich solche Strukturen weltweit etablieren würden, könnten viele Journalisten "eingespart" - um nicht zu sagen "sinnvoller genutzt" - werden. Denn wenn man sich auf die gleiche, offene, private Weise auch über das Alltagsgeschehen in England, Japan, Russland, Australien, Afrika, etc. informieren könnte, würden auch Auslandsreporter zu einem bestimmten Teil überflüssig werden.

Ich denke, die Verlage müssen sich früher ode später damit abfinden, dass der kleine Blogger von nebenan, der aus Spaß an der Freude über lokale Events berichtet, seinem gut ausgebildeten Journalisten den Rang abläuft. In dem Bereich sitzen die Zeitungsverlage und andere Content-Anbieter im gleichen Boot: Das Internet ersetzt ihr teures Gewerbe durch ein günstigeres Verteilungsinstrument, das allen Bürgern zugänglich ist.
Bloggende Grüße, Kenny

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