Berlin bekommt Sekundarschule

Da haben sich die Politiker ja was tolles einfallen lassen: In Berlin wird das Schulsystem reformiert. Statt Haupt-, Gesamt- und Realschule wird es neben dem Gymnasium bald nur noch die Sekundarschule geben.

Wie bisher wechseln Schüler nach der sechsten Klasse in die Sekundarstufe - hier haben sie nun die Wahl zwischen dem Gymnasium - das nach 12 Jahren zum Abitur führt - und der Sekundarschule - die wie die bisherige Gesamtschule funktioniert. Das heißt: Je nach Lernleistung erhalten die Schüler eine unterschiedliche Betreuung und Förderung. Diejenigen, die gute Leistungen erbringen werden theoretischer ausgebildet, die schlechten Schüler hingegen bekommen eine praktischere Ausbildung mit Hinblick auf eine Handwerksausbildung.

Das klingt im ersten Moment alles gut und schön, ich hingegen habe aber meine Zweifel, ob das ganze wirklich so eine gute Idee ist. Ich kann mich noch gut an meine Schulzeit erinnern: Zu Beginn waren wir gut 35 Schüler in einer von vier Klassen der Jahrgangsstufe. Das änderte sich von Jahr zu Jahr - die schlechten Gymnasiasten wurden einfach ausgesiebt und zurück blieben die leistungsstärkeren Schüler. So wie im richtigen Leben: Der schwächste fliegt.

Da sich bei den Gymnasien nichts ändert, wird dort alles beim alten bleiben. Das Problem ist meiner Meinung nach die Sekundarschule, denn dort sammelt sich nun alles an - von Leuten, die lieber 13 Jahre für ihr Abitur aufwenden möchten (statt 12 Jahren), bis hin zu denen, für die die Straße das Zuhause ist; die nicht lernen wollen, schwänzen, sich rumprügeln, besaufen und hier und da auch mal mit der Polizei in Berührung kommen. Auch wenn es hart klingt: Ich bezweifle, dass es sich positiv auf die intellektuelle Neoelite auswirken wird, wenn sie Seite an Seite mit den Arbeitslosen von Morgen die Schulbank drücken wird.

Wenn es bei uns auf dem Schulhof z.B. mal Schlägereien gab, dann waren merkwürdigerweise immer Schüler der benachbarten Real- und/oder Gesamtschule beteiligt. Aber Nachbarschulen wird man bei der Sekundarschule garnicht mehr brauchen: Da sind die entsprechenden Leute (die es nunmal dort geben wird) bereits an Board.

Noch zwei Informationen am Rande: Im Zuge der Umstrukturierung sollen gut 30 weiterführende Schulen geschlossen werden. Zudem dürfte es lustig werden, wenn zu viele schwache Schüler sich bei Gymnasien um eine Aufnahme bewerben wollen, denn laut Planung sollen bis zu 50% der Plätze im Losverfahren verteilt werden.
Na das wird ein Spaß werden, wenn ein erstklassiger Schüler durch ein schlechtes Los dazu gezwungen wird, eine Sekundarschule zu besuchen. Besser kann man ein lernwilliges Kind wohl kaum in seiner Zukunftsplanung behindern.
Sekundäre Grüße, Kenny