Das Ende der Piratenpartei!!einself!1

In den letzten Tagen war die Piratenpartei mal wieder das Gesprächsthema in allen möglichen IT-Boards von Heise bis Golem und darüber hinaus. Überall wurde heiß über die Verurteilung von Jörg Tauss im gegen ihn laufenden KiPo-Verfahren diskutiert. Es sollte jeder für sich selber entscheiden, ob er Jörg Tauss für einen Pädophilen hält, oder ob er glaubt, dass er sich wirklich eigenständig über die Verbreitungswege von KiPo informieren wollte.

Ich persönlich möchte ihm nicht unterstellen, dass er bezüglich der eigenständigen Ermittlung gelogen hat - wir haben im letzten Jahr gesehen, wie dummdreist das Familienministerium in der Person der Zensursula von der Leyen über die Verbreitungswege und den Verbreitungsgrad von KiPo gelogen hat. In diesem Zuge ist es für mich verständlich, dass ein Medienexperte einer Partei sich gerne abseits der populistischen Ministerienpropaganda informieren möchte. Die Geschichte, dass er mit seinen Recherchen einen KiPo-Ring "sprengen" wollte, halte ich hingegen für ziemlich hanebüchen.

Aufgeregt hat mich in den letzten Tagen jedoch nicht das milde Urteil, sondern diese ewigen, nervtötenden, völlig sinnlosen Diskussionen um das weitere Fortbestehen der Piratenpartei. Ganz ehrlich - ich verstehe es wirklich nicht. Ihr kennt wahrscheinlich den Spruch "Es wurde zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem." Genauso kam es mir großteilig vor.
Für die einen wurden die Piraten unwählbar, weil sie Tauss anno 2009 in die Partei aufgenommen haben, für die anderen wurden die Piraten unwählbar, weil sie Tauss um den Austritt gebeten haben und die letzte Gruppe hält die Piraten für unwählbar, weil sie Tauss nicht von selber aus der Partei geworfen haben.
Ganz besonders spaßig finde ich übrigens die Leute, die die Piraten nun nicht mehr nur für unwählbar halten (anhand der 3 Gruppen müsste die Partei jetzt bei ca. 120% Unwählbarkeit liegen), sondern die ihr auch schon den baldigen Zerfall bescheinigen. Der freiwillige Austritt von Jörg scheint einigen direkt die politischen Schweißperlen auf die Stirn zu treiben. Er sei schließlich die einzige Person mit politischer Erfahrung - oder so ähnlich. Ohne ihn wird die Partei ins Chaos stürzen und der Bundesvorstand wird anfangen, schwarze Löcher zu pupsen, die die restliche denkende Weltbevölkerung verschlucken werden.

Leute, kommt doch bitte mal wieder auf den Teppich. Ja, Jörg Tauss ist ausgetreten und ja, er hat viel politische Erfahrung mit in die Partei gebracht. Sein Blogartikel hört sich jedoch überhaupt nicht so an, als ob er der Partei jetzt den Rücken kehren würde. Und selbst wenn: Im Gegensatz zu vielen anderen Parteien (man blicke nur in Richtung FDP) ist die Piratenpartei eben nicht an einzelne Personen gebunden. Ich glaube, auf den Parteitagen sieht man jedes Mal wieder sehr gut, wie schnell die Führung auswechselbar ist - wenn sie nicht sogar freiwillig geht. Was bei den Piraten zählt, ist die Basis; die Leute, die die Themen ausarbeiten und an Infoständen der Bevölkerung näher bringen. Bei den Piraten gibt es keine Indoktrination der Massen durch Einzelne. Wenn jemand beeinflusst wird, dann sind es die Vorstände, die von den Mitgliedern dazu getrieben werden, ihre Interessen zu vertreten und ihre Basisarbeit zu erleichtern.

Und einen Punkt zur ewigen Unwählbarkeitsdebatte möchte ich noch beitragen. An die Leute, die ständig meckern, dass die Piraten ein zu enges Themenspektrum haben und sich nicht den wichtigen sozialen Fragen stellen: Habt ihr schonmal ein Parteiprogramm ausgearbeitet und euch intensiv mit der Lösung dieser sozialen Themen beschäftigt? Falls ja: Wieso bringt ihr diese Lösungen nicht in die Partei ein, um eine wählbare Alternative zu den Dachorganisationen der Lobbyverbände zu schaffen? Und falls nein: Warum nicht? Ist euch eventuell aufgefallen, dass es ein Haufen Arbeit ist, politisch vertretbare und finanziell machbare Lösungen zu erarbeiten? Wie kommt ihr darauf, dass diese Erarbeitung für Mitglieder einer Partei, die nebenbei noch einen Hauptberuf ausüben, einfacher wäre und schneller von Statten gehen würde?

Versteht mich bitte nicht falsch, ich möchte kein Mitleid oder ähnliches. Aber die Piraten sind jetzt knapp 4 Jahre alt, haben inzwischen (imho) beachtliche Erfolge in der Landes- und Bundespolitik erreicht und viele ihrer Kernthemen in das Bewusstsein der etablierten Parteien zurückgebracht. Nur leider vergessen diese nach ein paar Wochen wieder, was das Volk wirklich braucht. Genau deshalb wird es die Piratenpartei weiter geben - um weiterhin ein Dorn im Fleisch der etablierten Parteien zu sein.
Und ja, es wird weitere Themen im Parteiprogramm der Piraten geben - jedoch erst dann, wenn diese ordentlich ausgearbeitet wurden und einen Konsens in der Basis finden. Was ist euch denn lieber? Eine Partei, die aus ein paar Köpfen und hundertausenden Sockenpuppen besteht. Oder eine Partei, die aus zehntausenden Köpfen und ein paar Organisatoren besteht? Die Entscheidung trefft schlussendlich ihr - die Wähler.
Fortschreitende Grüße, Kenny

7 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. juristisch kann er sich nicht damit herrausreden, nach diesem material zu rechercherchieren, um ergebnisse den behörden zu melden, das klingt nach einer notlüge.

    die größten öffentlich auftretenden jäger werden selbst zu straftätern, nach dem prinzip: wer vampire jagt wird selbst zum vampir.

  2. Pingback: Twitterbeiträge diese Woche 2010-06-06 » BB – Boomels Blog

  3. Ich denke auch, dass das Themenspektrum aktuell einfach zu klein ist, so dass man die Partei einfach nicht wählen kann. Eigentlich ähnlich wie in den 80ern mit den Grünen, obwohl das "Umweltthema" damals sicherlich auch schon extrem stark war

  4. Die Piraten sind nicht Wählbar weil sie zu "unerfahren" sind. Wenn ich sowas lese dann kommt mir immer wieder die Wurst. Um zu Regieren oder etwas zu Verändern brauche ich kein besonders Guten Schulabschluss oder erfahrung in der Politik. Da reicht meiner Meinung nach Gesunder Menschenverstand um die Wichtigsten Entscheidungen zu Treffen.

    Um heute ein "guter Politiker" zu sein muss man natürlich Studieren um die Bürokratenwald zu Verstehen. Das haben aber die Menschen eingebrockt. Wer diesen Wald versteht der Regiert schon lange nicht mehr für das Volk. Wer macht das überhaupt noch von "Big" Parteien ????

    Die aufnahme von Jörg Tauss habe ich ebenfalls Kritisch betrachtet. Und zwar genau aus dem einen Grund das dieses jetzt die breite Angriffsfläsche gegen die Piraten sein wird. Wer das als Grund für unwählbar nimmt der kann ja wieder FDP wählen wo für einzelne Personen Regiert wird (spendenaffairen) CDU (Spendenaffairen) (GG ausser Kraft gesetzt) (Steuergelder gegen bestehendes EU Recht weitergegeben) (ein Finanzminister dem ebenfalls "schwarzgeld" vorgewurfen wird) Eine Partei die Geld und Waffen nach Isreal verschenkt mit dem Völker bekriegt werden bzw. "unsere" U-boote (geschenk der steuerzahler an Israel) die auf dem Weg richtung Iran sind. Nur mal paar kleine Details. Ihr wisst alle wir könnten hier die liste weitermachen. Und dann eine Riesen Diskussion über angelegenheit die sich "von selbst" geklärt hat. Ich finde euch nicht unwählbar , im gegenteil für mich momentan eine sehr sehr gute und Gesunde alternative.

    Macht weiter so und lasst die Idioten labern !!!

    MFG

  5. "Wenn jemand beeinflusst wird, dann sind es die Vorstände, die von den Mitgliedern dazu getrieben werden, ihre Interessen zu vertreten und ihre Basisarbeit zu erleichtern."

    Made my day 🙂

    Gruß
    Andi

  6. Momantan ist die Piratenpartei für mich noch nicht wählbar, weil sie sich auf ein viel zu kleines Themenspektrum beschränkt. Aber das kann sich ja noch ändern. Ähnlich wie die Grünen in den frühen 1980ern setzt sie aber neue Impulse und das kann der deutschen Politik eigentlich nur gut tun...

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