Die Piraten und das BGE

Seit die Piratenpartei dem Antrag zum "Recht auf sichere Existenz und gesellschaftliche Teilhabe" zugestimmt hat, gibt es anscheinend unzählige Berichte darüber, dass die Piraten einen linken Kurs eingeschlagen und indirekt das bedingungslose Grundeinkommen beschlossen hätten... dem ist NICHT so!
Die Piraten haben beschlossen, dass der Sozialstaat mehr tun muss, als lediglich Essen, Trinken und Wohnraum zu garantieren. Es muss möglich sein, auch ohne ein eigenes Einkommen mal in ein Museum zu gehen oder sich eine Zeitung zu kaufen - sprich, am sozialen Alltag teilzunehmen, ohne deshalb an anderer Stelle Abstriche machen zu müssen.
Wenn das BGE hierfür die beste Lösung ist, dann sei es halt so. Sollte es jedoch möglich sein, das ganze z.B. über Wertmarken zu realisieren (oder was auch immer am besten geeignet ist), das wäre dies natürlich eine valide Alternative.

Selbst WENN das BGE beschlossen worden wäre, hätte ich dies beführwortet! Natürlich rufen die Gegner nun gleich wieder "Schmarotzertum!" - aber seien wir doch mal realistisch: Die Technisierung schreitet immer weiter voran!
Wir haben schmutzabweisende Oberflächen mit Lotusblüteneffekt; sich selbst reinigende Klobrillen in Autobahnraststätten; Staubsaugerroboter, die immer mehr zum Alltag werden... an allen Ecken und Enden werden Erfindungen gemacht, die das Leben der Privatpersonen erleichtern, gleichzeitig aber auch eine Menge "niederer Arbeitzplätze" bedrohen.

Das Ziel der Vollbeschäftigung ist heute schon - mit offiziell ca. 4 Millionen Arbeitslosen - in weiter Ferne. Durch die weitere Entwicklung von Arbeitserleichterungen wird dieses Problem in Zukunft sicherlich noch gravierender werden. Das heutige System ist einfach nicht drauf ausgelegt, dass immer weniger Leute immer mehr der alltäglich anfallenden Arbeit bewältigen - denn der Rest der arbeitsfähigen Bevölkerung wird dadurch automatisch arbeitslos.
Wir müssen Wege finden, mit der zukünftigen Arbeitssituation umzugehen und ein System aufbauen, das den zukünftigen sozioökonomischen Anforderungen gerecht wird.

Bevor man die Piraten also pauschal als "linke Spinner" abtut, sollte man sich überlegen, wie man zukünftig mit der Flut der potentiellen Arbeitslosen umgehen will. Beschäftigungstherapien für 1€/Stunde werden jedenfalls nicht dabei helfen, den Wandel des Arbeitsmarktes zu beeinflussen - sie werden höchstens die Statistiken schönen bis zu dem Punkt, an dem das Sozialsystem geändert werden muss, um es vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

Es ist wichtig, dass die Piraten sich heute schon mit diesen Themen befassen und unvoreingenommen nach einer Lösung suchen - wenn diese schlussendlich benötigt werden, könnte es schon fast zu spät sein...
Zukünftige Grüße, Kenny