Open Source ist ein riesiger Haufen Scheiße

Das zumindest hat der Parallels CEO Serguei Beloussov in einem Interview von sich gegeben. Natürlich kam diese Aussage ganz und garnicht gut an, sodass er heute seine Aussage revidierte und das ganze als Scherz bezeichnete, der leider "missverstanden" worden ist.
Aber natürlich ist direkt mal wieder eine Debatte darüber entbrannt, ob Open Source der Stein der Weisen ist, ob Open Source alles kaputt macht und es wurde darüber philosophiert, dass Open Source auf dem Markt garnicht überlebensfähig ist.

Da ich selber Open Source Software schreibe und anbiete - auch, wenn ich mich bisher nicht für eine explizite Lizenz entschieden habe - wollte ich an dieser Stelle einfach mal meine Meinung zu dem Thema äußern.

Was für den ein oder anderen erst einmal interessant sein dürfte, ist der Fakt, weshalb man überhaupt seine Arbeit kostenlos anderen Leuten zur Verfügung stellt und auch noch die Quellen offen legt, damit andere sich an den Ideen bereichern können.
In meinem Fall ist es ganz einfach: Ich bin nicht der Meinung, dass die Umsetzung meiner bisherigen Projekte solch großen Erfindungsreichtum benötigte. Die Ideen hinter den Projekten waren vielleicht noch ganz gut, aber die Umsetzung hätte jeder andere auch hinbekommen.
Abgesehen davon ist es meiner Meinung nach ein Geben und Nehmen. In der Programmier-Community findet man so viele Quelltext-Schnipsel im Netz, die mir hier und da das Leben vereinfachen. Weshalb sollte ich also nicht ein wenig davon zurück geben?

Es stimmt, dass man von der Arbeit an Open Source nicht leben kann - zumindest bei mir ist das der Fall. Die OS-Projekte, an denen ich arbeite, sind rein privater Natur, die ich aus Spaß an der Freude und vor allem aus der eigenen Not heraus schreibe.
Daraus resultieren zwei Sachen: Zum einen, dass man bei Open Source Software darauf gefasst sein muss, dass bestimmte Sachen nicht umgesetzt sind, die man in kommerzieller Software findet. Zum anderen, dass man sich nicht wundern braucht, dass man keinen Support einkaufen kann, wie es bei kommerziellen Produkten der Fall ist.

Aber ist das denn weiter verwunderlich? In meine Projekte baue ich z.B. die Funktionen, die ich benötige. Wenn jemand anderes genau die gleichen Funktionen benötigt: Wunderbar! Wenn jemand mehr braucht, kann er die Sachen entweder selber einbauen, ein anderes Produkt nehmen oder mich anschreiben und fragen, ob ich die Dinge einbauen kann.
Da ich jedoch nicht bezahlt werde, muss man bei der Nachfrage auch auf ein "Nein!" gefasst sein, denn ich habe nicht unendlich Ressourcen, die ich auf soetwas verwenden kann. Trotzdem bin ich meistens bereit, solchen Bitten nachzukommen.

Nicht anders sieht das beim Support aus. Wer unbedingt Open Source Software benutzen will und unbedingt Support benötigt, der muss halt jemanden finden, der sich dafür bezahlen lässt. Support zu leisten ist eine zeitintensive Angelegenheit, da man sich in die Begebenheiten des "Kunden" einarbeiten muss. Mir als Privatperson und Hobbyprogrammierer ist diese benötigte Zeit nicht gegeben. Ich kann nur dann helfen, wenn es direkt Probleme mit dem Programm gibt.

Wer der Meinung ist, dass er von einem freiwilligen Programmierer, der nichts für seine Arbeit verlangt, mehr erwarten kann, der lebt in einer anderen Welt. Wer glaubt, dass er von einem privaten Open Source Entwickler den gleichen Service geliefert bekommt, wie von einem kommerziellen Softwareproduzenten, der hat keine Ahnung, wieviel Geld und Zeit in diesen Service investiert werden muss. Auch bei Open Source Software gilt: Wer solche Dienstleistungen haben will, der muss auch für diese Dienstleistungen bezahlen - allerdings nicht mich, denn ich habe für die Bereitstellung solcher Dienstleistungen keine Zeit! 😀

Vielleicht sollten die Leute, die die Qualität von Open Source Software kritisieren, endlich einmal verstehen, dass sie nicht gezwungen werden, die Software einzusetzen. Sie ist lediglich ein Angebot von uns als OS-Entwickler an die Menschen. Sie ist dazu da, damit die Leute eine Alternative zu kommerzieller Software haben.
Offene Grüße, Kenny

P.S.: Ja, ich weiß, dass es auch Open Source Software gibt, für die man Geld bezahlen muss. Ja, ich weiß, dass es auch Open Source Projekte gibt, die direkt auch Supportverträge anbieten. Der oben geschriebene Text bezieht sich ausschließlich auf kostenlose Open Source Software, die von privaten Personen oder Gruppen entwickelt wird, die keine Ressourcen opfern können, um Premium-Support anbieten zu können.

7 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. schlag doch deine Programmlieblinge da vor: http://www.craptool.com 😉

    grüsse

    Kenny: Leute, ich bin ja wirklich gutmütig. Aber ich sehe es ehrlich gesagt nicht ein, hier ungefragte Werbeplattform zu spielen, nur weil der Link mit schön vielen Keywords hinterlegt wird. Deshalb ist der Link nun NoFollow.

  2. Pingback: Flash CS5 Tutorial: Überblick über TLF-Textfunktionen | Addicted 2 … | Flash WebDev Insider

  3. Die Devise "Geben und Nehmen" sollten im Netz mal ein paar Leute mehr beherzigen und nicht nur was OpenSource betrifft. Sehe ich mir die Bloggosphäre in Deutschland an, so fällt mir immer mehr auf dass sehr sehr ungerne verlinkt wird. Das ist z. B. in den USA anders und dort sind die Blogs dementsprechend auch stärker und mächtiger.

    Das gleiche kann man auch auf OpenSource beziehen. Warum nicht teilen, wenn man etwas geschrieben hat... vielleicht braucht es ja noch jemand. Anders herum kann man sich auch wieder Zeit sparen, wenn man opensource programme von anderen nutzt... da haben doch alle vorteile durch..

  4. Wow so eine Aussage öffentlich zu tätigen ist schonmal ne krasse Nummer...

    Ich persönliche setze gern und oft auf Open Source Projekte und Produkte, gerade bei der Entwicklung, denn oft ist bei Open Source Produkten einfach der Community Vorteil besser, als ein professioneller Support.

    Möchte ich an ein Open Source Projekt meinen Bedürfnissen anpassen, kann ich dies mit Hilfe der Community meist selbst erledigen oder erledigen lassen. Bei kommerziellen Produkten muss ich damit Leben was die Software mir bietet oder eben einen Feature Request stellen der wahrscheinlich so wie so nicht aufgenommen wird ...

  5. Geil .. hat er es auf den Punkt gebracht. Aber die Sache mit dem Support... OS ist eben nicht all inclusive! Aber WP ist best Support und OS ever! In meinen Augen!

  6. Also ich bin in dem Fall genau deiner Meinung. 😀

    Weißt du, was lustig ist… ich habs selbst mal versucht und Open Office genommen… der einen Person habe ich gesagt, dass es eine kostenlose Software ist und es kam gleich eine negative Grundeinstellung rüber. Später wurde auch andauernd gemeckert "Ja, das Design ist sch***, Word kann das viel besser, das ist zu umständlich…" usw.

    Der anderen Person habe ich gesagt, es ist eine "gute Software, die auch von Profis genutzt wird" und es gab keinerlei große Beschwerden. Am Anfang kam zwar auch "Achso? Hab ich bisher noch gar nicht gehört…" und ab und an gab es auch Kommentare wie "Naja, im Word geht das anders, aber irgendjemand wird sich schon etwas dabei gedacht haben, wenn das Programm von Profis eingesetzt wird." Ich hab jedoch die ganze Zeit nicht gesagt, dass das Programm eigentlich kostenlos ist.

    Ich hab bei den beiden "Testpersonen" auch extra darauf geachtet, dass beide nicht wirklich Ahnung von der Materie haben und auf dem gleichen Stand sind.

    Es spielt also auf jeden Fall auch eine Rolle, wie man das Produkt verkauft 🙂

    • Das Problem mit den Vorurteilen habe ich vor allem bei Antiviren-Programmen! Ich persönlich empfehle immer die kostenlose Variante von Avast!. Dort kommt auch immer die Frage, ob das Programm denn wirklich so gut ist. Schließlich habe man bisher 50 bis 80 Euro pro Jahr für die Software bezahlt - irgendeinen Harken müsse das ganze doch haben.

      Wenn ich dann Leuten dann den Vorteil zeige (insbesondere den Preboot-Scan) und ihnen erzähle, dass sich die kostenlose Version über die professionelle Bezahlversion finanziert, nehmen sie den Rat doch ab und an zu Herzen.

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