Von Amokläufen und Kotzorgien

Der Amoklauf in Lörrach erhitzt wieder einmal die Gemüter. Das "Problem": Die Amokläuferin war weiblich, Anfang 40, Rechtsanwältin und Sportschützin - passt damit also garnicht in das Cliché des zurückgezogenen, männlichen Ballerspielfanatikers ohne Zukunft...

Das Web liefert hierzu bissige Kommentare wie "Die Amokläuferin von #Lörrach: heterosexuell, verheiratet, katholisch, Juristin. #Bosbach weiß noch nicht so richtig, was er verbieten will" (via @zynaesthesie). Es verwundert nicht, dass die etablierten Medien diesen Zynismus nicht verstehen - dass jedoch selbst der Stern nicht einmal mehr Lust hat, die Hintergründe weitergehend zu beleuchten und sich stattdessen über die Verhaltensweise der Netzgemeinde echauffiert, das hätte selbst ich nicht erwartet!

Man muss sich doch nur mal angucken, wie die Hexenjagd nach einem Amoklauf normalerweise aussieht. Zuerst einmal wird geguckt, ob die Person Videospiele gespielt hat - falls ja, sind natürlich immer die Spiele schuld! Und da man diesen ganzen "neumodischen Kram" eh nicht versteht, kann man ihn auch genauso gut gleich verbieten - zum Wohle der Gemeinheit und so. Wieso sollte man einem Vorreiterstaat wie Venezuela denn auch nicht ideologisch zur Seite stehen?

Und wenn man schon dabei ist, Jugendkulturen zu verbieten, die man als Mitt-60er nicht mehr versteht, holt man dann auch gleich noch weiter aus setzt auch gleich noch Paintball auf die Todesliste. Da ist es dann auch egal, ob sich z.B. das Forum Pro Paintball als bundesweiter Paintball-Interessensverband anbietet, den Politikern diese neue Sportart zu erklären.

Aber wehe, jemand rückt - wie im aktuellen Fall - den Sportschützen zu nahe! Da kommt dann ein Herr Kohlheim - seines Zeichens Vizepräsident des Deutschen Schützenverbands - und erklärt einfach mal, wie falsch es wäre, Schützenvereine generell zu verbieten. Seine Meinung: "Der Vorfall ist furchtbar, doch es ist zu einfach zu sagen, dass nun die Sportschützen schuld sind." Dass die Schusswaffen für die Amokläufe bisher immer von Schützenvereinsmitgliedern kamen, scheint an dieser Stelle völlig egal zu sein.

Und als ob das noch nicht Grund genug wäre, sich ordentlich über den Fußboden zu erbrechen, kommt auch noch ein Herr Bosbach und lässt soetwas ekelerregendes vom Stapel: "Wegen einer solchen Tat kann man nicht Millionen von Sportlern die Ausübung ihres Sports verbieten." Geht es noch?! Computerspiele verbieten wollen, Paintball verbieten wollen, aber jetzt auf einmal will man den "Sportlern" nicht bei der Ausübung ihres "Sports" in die Quere kommen?! Diese verlogene, widerliche Klientelpolitik ekelt mich einfach nur an.
Kotzende Grüße, Kenny