Weizenspr.eu vs. Zalando.de

Heute habe ich mal wieder einen Brief von der Wettbewerbszentrale bekommen und ich denke, es wird Zeit, dass ich das gesamte Thema einmal an die Öffentlichkeit zerre. Der Grund dafür, dass ich mit der Wettbewerbszentrale in Kontakt stehe, ist die schmierige virale Marketingkampagne, die Zalando.de letzten Monat gestartet hatte.

In dieser wollte Zalando einen Linkbait bewerben, indem sie leere Schuhkartons an ausgewählte Blogger verschickten. In dem Karton lag lediglich ein Zettel, auf dem in einem einzigen Satz der Linkbait beworben wurde.
Nicht nur ich fand diese Form der Werbung vollkommen unpassend (als das Paket bei mir eintraf, wurde ich vom Postboten sogar geweckt!), sondern auch viele andere Blogger waren ziemlich angepisst von der Aktion.
Doch anstatt einfach nur darüber zu berichten und mich zu ärgern, habe ich einen anderen Weg gewählt: Ich habe eine Beschwerde bei der Wettbewerbszentrale eingereicht (ein Schritt, den ich auch allen anderen ans Herz legen würde).

Wer sich ein Bild von dem Schuhkarton machen will: Ich hatte der Wettbewerbszentrale zwei Fotos mit der Mail mitgeschickt. Die sind nicht sonderlich toll geworden, aber ich denke mal, man erkennt das Wesentliche:

Vorderseite & Inhalt des Kartons

Aber als ob der Karton noch nicht genug wäre, erhielt ich auch noch Werbung E-Mail - und zwar zur gleichen Linkbait-Aktion! Am Ende der Mail steht übrigens geschrieben, dass man die Mail ignorieren solle, falls man sich durch sie gestört fühlt. Soetwas schreibt man meiner Meinung nach nur, wenn man weiß, dass man gerade wettbewerbswidrig handelt!

Nunja, nach einigem Schriftverkehr mit der Wettbewerbszentrale habe ich heute jedenfalls die Information bekommen, dass Zalando nun wohl auf Unterlassung "in Anspruch genommen" wurde - für mich als Laie bedeutet das zumindest, dass Zalando nun dazu aufgefordert wurde, eine Unterlassungserklärung abzugeben.
Natürlich habe ich angefragt, ob ich für meine Unterlagen den Wortlaut der Erklärung und die Höhe der Vertragsstrafe bei Zuwiderhandlung erfahren könnte - der entsprechende Brief geht morgen auf die Reise. 🙂

Was denkt ihr? Habe ich überzogen reagiert oder hättet ihr an meiner Stelle das gleiche getan? Normalerweise bin ich bei so Werbefuzzies ja ziemlich gnädig, aber die Belästigung per DHL hat dieses Mal einfach den Rahmen des Erträglichen gesprengt.
Juristische Grüße, Kenny

26 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

    • Nachdem das Thema jetzt etwa ein halbes Jahr zurückliegt, finde ich, dass ich richtig reagiert habe. Ich werde zwar sicherlich nicht mehr von Zalando zu irgendwelchen Bloggeraktionen eingeladen werden - aber wirklich schlimm ist das ja nun nicht gerade.

  1. Pingback: Gutes Marketing – schlechtes Marketing… was hat Zalando vor? « German CopyCats

  2. Ich kaufe immer bei Zarlando ein, Sie haben auch sehr Hüpsche Frauenschuhe^^

    Kenny: Links zu Drogenwebsites werde ich in den Kommentaren nicht dulden.

  3. Die Aktion ist längst vorbei und 4 verbitterte Blogger reden nach wie vor drüber.. Zalando wird sich freuen! Lasst es doch jetzt mal gut sein. Anhand der Backlinks die kamen kann man sehen, dass die überwiegende Mehrheit die Aktion toll fand.

    • Was heißt denn hier "nach wie vor"? Den Artikel habe ich Mitte August geschrieben - was soll ich also "mal gut sein" lassen? Man stelle sich vor: die meisten der Zalando-Gewinnspiel-Teilnehmer werden wahrscheinlich garkein Paket bekommen haben. Einige wurden anscheinend nur per Mail benachrichtigt und wiederum andere werden wahrscheinlich durch Mundpropaganda darauf aufmerksam geworden sein.

      Übrigens ist es ein bisschen schwachsinnig, anhand der Gruppe der Teilnehmer darauf zu schließen, dass "die überwiegende Mehrheit die Aktion toll fand". Ganz einfach deshalb, weil jemand, der es nicht toll fand wohl kaum daran teilgenommen hat. Um also herauszufinden, ob die Mehrheit die Aktion toll fand, müsste man erstmal wissen, wieviele Blogger von der Aktion gewusst haben. Viel Spaß bei dieser empirischen Untersuchung...

    • Ich denke mal ob wer und wann worüner berichtet sollte jedem selbst überlassen sein, auch wenn ich die Weizenspr.eu Meinung nicht unbedingt teile, um so mehr finde ich Kommentare wie von @Kevin recht Sinn frei.
      Ist doch genau das gleiche wie StreetView, es wird immer gegenteilige Meinungen geben, aber genau das macht das ganze doch auch so interessant. Wenn alle immer der gleichen Meinung wären, so ist die Diktatur nicht mehr weit entfernt. Oder hab ich damals in Politik nicht so ganz aufgepasst ?

  4. @Dennis, ja Z. hat ne Menge Berichte (negative) dadurch, aber von mir definitiv kein Backlink. Den DEN haben sie sich nun wirklich nicht verdient.

    • Ich hab mal just 4 fun den Yahoo Site Explorer um Rat gefragt und der zeigt ne ganze Menge Blogs an bei denen die Artikel auch noch recht frisch sind. Also haben bei Beschwerden nicht alle soweit gedacht wie du. 🙂 Allerdings bin auch auch zu faul jetzt alle 141 Tausend Links zu besuchen *g*

  5. Aber eigentlich hat Zalando genau das erreicht was Sie erreichen wollten, ob nun positiv oder negativ, legal oder illegal, es sind plötzlich heftigst viele Artikel und vor allem auch Backlinks zu Zalando zu finden. Überall wird diskutiert, Zalando ist in aller Munde.
    Marketing ON TOP !
    Ein leerer Kartoon, das war echt dumm, aber wie hättet Ihr reagiert wenn dort nun ein Gutschein drin gewesen wäre "50% Rabatt" oder ein T-Shirt ?
    Ich mein jetzt wo schon so viele "böse" sind wird sich da kaum noch einer ein echtes Urteil bilden können. bei vielen überwiegt einfach der Groll, aber mal ehrlich, ich glaube dann hätten sich einige Hundert mehr über die Aktion gefreut und diese deutlich angenehmer empfunden. Im Prinzip hat Zalando Marketingtechnisch nicht viel falsch gemacht, die Kosten gegenüber der gezogenen Nutzen im Verhältnis zu offizieller und legaler Werbung bei dem gleichen Ergebnis....naja..schon ein Kunststück.

    • Na das hat Zalando ja dann wirklich super gemacht! Soll ich ehrlich sein? Wenn die wirklich die Unterlassungserklärung unterschreiben, sind sie arm, wenn sie so eine pseudovirale Kampagne nochmal durchziehen wollen. Und ganz ehrlich - so eine Unterlassungserklärung dürfte den Preis der Marke wahrscheinlich ziemlich drücken. Wenn man da mal ein bisschen im Web liest, versteht man, warum Zalando derzeit so viel Werbung in den Markt drückt.

  6. Ich möchte nicht wissen wie ich reagiert hätte, wenn z.B. ne Abholkarte für so einen Schotter in meinem Briefkasten gelandet wäre... Da fährt man extra zur Post, steht ewig in der Schlange und dann so was. Da ist Deine Aktion mit der Wettbewerbsbehörde noch "human", zumal man davon ausgehen kann, dass die Kosten für die Abmahnung von Zalando aus der Portokasse bezahlt werden.
    Die sollen ruhig wissen, dass der Blogger an und für sich zwar schon sehr leidensfähig ist, aber das Ganze doch ein Stückchen zu weit ging. Sonst kämen sie vielleicht demnächst noch auf den Gedanken Europaletten mit einem Zettel drin vor unsere Haustüren zu stellen 😉

  7. okay. da hast du recht. werden in berlin die pakete nicht beim nachbar hinterlegt? ich merke gerade, dass deine seite mobile-optimiert ist. find ich geil und will ich auch ^^

  8. Och, ich glaub, du hast jedenfalls nix verkehrt gemacht. Ich werd mal morgen deinen Artikel via Blog und Twitter weiterpushen, sowas darf auch mal etwas höher bei Google stehen. ;o)

  9. An sich hat sich der Verantwortliche eigentlich eine lustige Sache ausgedacht, um den Linkbait zu bewerben. Blöd, dass es in Deutschland anscheinend nicht erlaubt ist eh schon veröffentlichte Daten zu verwenden.

    Ich meine.. wenn ich ne Spam-Mail bekomme, reiche ich auch nicht gleich eine Beschwerde ein. Es ist richtig, dass der Post-Weg da eine Stufe drüber steht, aber das muss halt jeder für sich wissen, ob man da so reagieren muss.

    Wie gesagt.. du hättest auch gleich zum Anwalt rennen können und die 200 Euro für dich einfordern können xD Also fühl' dich nicht angegriffen. Ich mein das nur im Allgemeinen.

    • Du hast Recht: bei einer Spam-Mail reagiere ich normaleweise nicht so. Man möge in diesem Fall jedoch bitte berücksichtigen, dass meine Anschrift augenscheinlich meinem Impressum entnommen worden ist. Man möge auch berücksichtigen, dass ich direkt im Impressum der kommerziellen Nutzung der dort angegebenen Daten nach §28 BDSG widerspreche. Selbst WENN der Werbeverschicker also nicht wüsste, dass es verboten ist, ohne Einverständnis Werbung zu verschicken, so müsste er spätestens beim Blick ins Impressum mitbekommen, dass er da gerade etwas machen will, was er nicht tun sollte.

      Und zu den "eh schon veröffentlichten Daten": Nur, weil der Gesetzgeber mich zum Bereitstellen meiner Anschrift zwingt, heißt das nicht automatisch, dass sich jeder nach Lust und Laune daran bedienen darf.

      Das Geld, das dort fließt, ist mir ehrlich gesagt ziemlich Wurst - wichtiger ist mir, dass die Leute nicht mit so einem zeitraubenden Mumpitz belästigt werden. Stell' dir mal vor, ich wäre nicht Zuhause gewesen: Dann hätte ich irgendwie Zeit freischaufeln müssen, um während der Öffnungszeiten zur Postfiliale fahren zu können.

  10. Absolut richtig reagiert!
    Hätte ich auch gemacht, absolute Frechheit sowas, vor allem per DHL. Werbung im Briefkasten kann man ja kaum verhindern, aber sowas ist echt die Höhe .. Hätte das gar nicht angenommen, wobei, vielleicht, aber nur um mich bei der Wettbewerbszentrale zu melden, wie du es getan hast 😉
    Sehr schöne Aktion 😀

    Gruß, Alex/Hose/dqmhose

    • Naja... als der Paketbote vor der Tür stand, wusste ich ja - wie gesagt - noch garnicht, dass der Karton leer ist. Das habe ich erst gemerkt, als er offen war. Ist halt auch dreist, dass die meine Adresse anscheinend aus meinem Blog-Impressum genommen haben. Das Paket war nämlich an einen "B.Sc." adressiert - halt so, wie es im Impressum steht. >:-(

      • Auf die Idee bin ja noch gar nicht gekommen. Die Dame am Telefon sagte ja, dass sie meine Daten nicht finden kann. Denkst Du die haben echt die Imprints abgeklappert? Das dürfen die doch gar nicht. *denk*

        • Ja, das denke ich... kann natürlich auch sein, dass ein "Dienstleister" die Imprints abgeklappert hat und Zalando die Adressen einfach angekauft hat... von mir haben sie die Daten jedenfalls nicht.

  11. Hallo Kenny, ja Du hast richtig gehandelt. Hätte ich den Karton damals angenommen, hätte ich auch mehr unternommen, aber ich war gewarnt und hab die Annahme verweigert. Mich hat DHL übrigens auch aus dem Bett geholt und der Bote schaute nicht schlecht, als ich sagte, dass der Karton leer ist. Ich finde das nicht nur ziemlich daneben, das ist auch eine Umweltverschmutzung par excellence 😉

    • Ich hatte mich beim Abnehmen des Paketes auch gewundert, dass es so leicht war. Leider hatte ich von dieser hirnrissigen Aktion bis dahin noch nix gehört.

  12. Nunja.. ich finde es etwas übertrieben. Erwartet den Schuhanbieter jetzt noch etwas außer diese abzugebende Erklärung? Geldstrafe?

    • Soweit ich es im Web verstanden habe, erwartet Zalando erstmal nur ein marginale Kostennote (ca. 200€, wenn ich richtig informiert bin). Interessant wird das ganze, wenn Zalando gegen die Auflagen der Unterlassungserklärung verstößt. Sollte dies passieren, muss Zalando die in der Erklärung festgehaltene Vertragsstrafe zahlen. Diese kann mit mehreren tausend Euro auch schonmal ziemlich gepfeffert sein.

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