Mac OS – Der erste Schritt in ein neues Abenteuer

Lange habe ich mit mir gehadert - zu teuer, schlechte Firmenpolitik, unsicher, eigentlich nur was für Noobs. Trotzdem wollte ich es irgendwann einmal ausprobieren: Mac OS - das wahnsinnig innovative und intuitive Betriebssystem von Apple, das so sehr mit der Hardware verdongelt ist, dass man es auf keinen anderen Geräten installieren darf.

Ich hatte nur zwei Anforderungen: Es sollte ein weißes Macbook sein und es sollte nicht allzu teuer sein. Ein Neues würde es also schonmal nicht werden. Apple bewirbt das Macbook mit dem kantigen Slogan "The notebook for everyone." - und dem Atemnot-verursachenden Anhängsel "Just $999.". Für das Geld bekommt man im nächsten Monstro-Hardware-Schuppen nen 17-Zöller mit allem drum und dran.

Also habe ich mich in Richtung Ebay begeben mit dem Gedanken "Naja, ein 4 Jahre altes für 250€ wird's ja wohl geben!". Soweit auch korrekt. Es gibt tatsächlich Macbooks für 250€ - bei denen handelt es sich dann allerdings um defekte Geräte mit Wasserschaden, Displayschaden oder Ähnlichem.
Ich hatte also die Wahl: Entweder die "Expedition Apple" vorzeitig abbrechen, oder aber mehr Geld in die Hand nehmen. Ich entschied mich für die zweite Variante und ersteigerte mir für 401€ ein fast 4 Jahre altes Macbook 3,1 mit 2GB RAM, Intel Core2Duo mit je 2GHz sowie einer 80GB Festplatte.

Macbook Late 2007

Seit diesem "Hauptsache ein Macbook" habe ich eine Sache gelernt: Man sollte dringend darauf achten, ein MacBook mit Intel Core2Duo zu erstehen. Es gibt noch einige mit einfachem Intel CoreDuo - diese enthalten statt einem 64-Bit- nur einen 32-Bit-Prozessor und werden mit Erscheinen von Mac OS X 10.7 (alias Lion) nicht mehr unterstützt. Hier hatte ich also mehr Glück als Verstand. 🙂

Nach Tagen des Wartens kam das Gerät endlich an und nach einigem Putzen konnte ich es das erste Mal starten, um... nichts zu sehen!? Es meckerte nur, dass keine Boot-Partition gefunden werden konnte. Wo war das Problem?! Hatte der Verkäufer die Platte ausgebaut?! War sie vllt. kaputt?! Fragen über Fragen. Doch das Macbook wollte mir nicht helfen - beim Booten kam nur ein grauer Bildschirm, gefolgt vom schwarzen Bildschirm mit Schrift. Kein Hinweis auf ein BIOS-Menü, kein Hinweis auf Boot-Optionen, nix!
Erst nach ewigen Suchen fand ich im Internet (gesucht über mein Tablet) eine mögliche Lösung: Beim Booten sollte ich die ALT-Taste gedrückt halten, um ins Boot-Menü zu kommen. Und tatsächlich: Es war einfach nur kein Boot-Laufwerk ausgewählt. Mein erster Eindruck zum Thema Intuitivität: Nur, solange man keine Probleme hat.

Ein kurzer Blick ins System: Toll, schon ein Nutzer eingerichtet - einmal Plattmachen bitte! Also erstmal die komplette Mac OS Installation durchgekaut, die - abgesehen vom CD-Wechsel und Neustart - keinerlei Anpassungen bedarf.

Dann endlich im System stöbern: Trotz der großen Icons wirkt alles sehr aufgeräumt. Aber intuitiv ist es nicht: Wenn ich ein Anwendungs-Icon vom Dashboard (der Programmleiste am unteren Bildschirmrand) zum Desktop verschieben will, warum kann ich dann kein Drag&Drop einsetzen? Wenn ich eine Anwendung ins Dashboard ziehe, wird dann eine Kopie der Programmdateien angelegt? Warum gibt es im Finder (Explorer unter Mac OS) keine Adressleiste? Wie installiere ich Programme? Etc., etc., etc. - ich hatte es mir wirklich wesentlich intuitiver vorgestellt!

Die Fragen legen sich allerdings mit der Zeit. Programme werden standardmäßig als Laufwerks-Image (im *.dmg-Format) ausgeliefert. Diese beinhalten meist eine *.app-"Datei" (eigentlich ein Ordner, der in Mac OS jedoch als Datei dargestellt wird), die man einfach nur in den Programme-Ordner kopieren muss. Auf die gleiche Art deinstalliert man auch die meisten Programme: Man löscht sie aus dem Programme-Ordner. Nur selten gibt es einen echten Installer, der dann jedoch zumindest bei jeder Anwendung gleich aussieht. Generell kriegt der normale Anwender kaum Details des Systems zu Gesicht - so werden z.B. die Ordner, die zum Unix-Unterbau gehören, im Finder einfach versteckt.

Nach den ersten Berührungspunkten wollte ich ein wenig tiefer einsteigen: Was ist mit einer Firewall? Wie kann ich Windows-Programme laufen lassen? Was ist überhaupt mit Sonderzeichen?

Eine Firewall gibt es tatsächlich - die regelt allerdings nur ankommende Verbindungen. Um Programme am ungewollten Senden von Daten hintern zu können, muss man sich eine extra Anwendung holen - hier habe ich mich für Little Snitch entschieden. Katching! Schon war ich Geld los. (Ein Antivirenprogramm gibt es in Form von ClamXav übrigens kostenlos.)

Zum Ausführen von Windows-Anwendungen gibt es zwei Möglichkeiten - eine (IMHO) unsaubere und eine (IMHO) sauberere. Die eine Möglichkeit ist, sich MacPorts, die neuste Version von Xcode (2.5 für Tiger, 3.1 für Leopard, 3.2 für Snow Leopard) und XQuartz zu installieren und anschließend Wine über den Befehl "sudo port install wine" zu installieren. Die von mir bevorzugte Variante ist es jedoch, eine Virtuelle Maschine zu verwenden. Hierfür nimmt man das VM-Tool seiner Wahl (in meinem Fall Parallels Desktop), installiert darin ein virtuelles Windows und installiert dann dort die Programme, die man benötigt.

Pinball im Coherence Mode

Parallels hat z.B. die tolle Fähigkeit, die Fenster der Windows-Anwendungen aus der eigentlichen VM-Darstellung herauszulösen und als normale Mac-Anwendungen nutzbar zu machen (nennt sich "Coherence Mode"). Das verringert die Hemmschwelle während der Nutzung enorm. Katching! Für diesen Luxus war ich nun schon wieder Geld los.

Kommen wir nun zu einem meiner leidigsten Themen unter Mac OS: Sonderzeichen und Tastenkürzel. Es ist einfach grässlich (und überhaupt nicht intuitiv)! Auf der Macbook-Tastatur sind keinerlei Sonderzeichen abgedruckt, sprich: Man muss jedes Mal raten, wo sie denn sein könnten (eckige Klammern, geschweifte Klammern, Tilden, etc.). Man sitzt also stellenweise da und probiert jede Taste aus, um die richtige zu finen. Ich weiß nicht, wie lange es brauchen wird, bis ich mir Alt+L zur Erzeugung des @-Zeichens gemerkt habe.
Es geht allerdings noch weiter: Unter Windows gibt es... die Windows-Taste. Diese wird allerdings kaum genutzt - dort herrschen die Ctrl- und Alt-Taste unter den Tastenkürzeln. Anders unter Mac OS. Dort gibt es statt der Windows-Taste eine zusätzliche Cmd-Taste (früher als Apfel-Taste bezeichnet), die allerdings häufig verwendet wird. Man sieht teilweise garnicht durch, ob man nun die Ctrl- oder die Cmd-Taste für irgendetwas drücken muss. Je nachdem natürlich kombiniert mit der Alt- oder Shift-Taste. Wenn ich ehrlich sein soll, weiß ich persönlich nicht, wie ich mir Cmd+Shift+3 bzw. Cmd+Shift+4 für die Erstellung eines Screenshots merken soll.

Nunja, trotzdem bin ich mit dem System bisher im Großen und Ganzen zufrieden. Ich habe dem Gerät als Upgrade "Snow Leopard", 4GB RAM von Kingston sowie eine 500GB Festplatte von Western Digital gegönnt. Damit sollte es problemlos die nächste paar Jahre überstehen können. (Katching! Und schon wieder war Geld fort.) 🙂

Mal sehen, wann ich mich ein bisschen eingehender mit der Entwicklung von Mac OS-Anwendungen beschäftige. Ich werde euch auf alle Fälle auf dem Laufenden halten. 😉
Apfelige Grüße, Kenny

8 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hi,

    sehr cool - bin froh deinen Artikel gefunden zu haben. Ich habe vorgestern mein erstes Macbook bekommen und freue mich wie ein schneekönig! :)) Ich habe mir lange eins gewünscht und hab ich es endlich. Jetzt bin ich aber etwas überfordert, wie ich anfangen soll - aber dafür habe ich ja deinen Blogbeitrag gefunden. Das MacBook hat mein Vater auch über Ebay gekauft - jetzt bin ich gestern über MacBookBilliger.de gestoßen - wäre das vllt. die bessere Alternative gewesen?

    • Habe mir die Seite mal angeguckt, kann allerdings keinen echten Nutzen darin sehen - die Preise sind veraltet und der einzige Einkauflink bei den Modellen zeigt auf Amazon. Da kann man auch direkt bei Amazon nach MacBooks suchen. :-/

  2. Wenn ich schon lese, dass man für ein 3 Jahre altes Gerät 400€ (500€ mit Aufrüstung) ausgibt da läuft's mir ja eiskalt den Rücken runter. Mein neuer Desktop-PC, der echt was kann, hat grad mal 500€ gekostet und der hat sogar Beschriftungen auf den Tasten 😉 Für mich als Developer nicht wirklich interessant und da die Software "unserer" Firma MacOS zu 99% nicht offiziell unterstützt wär's auch nix für den Arbeitsplatz. Apple sieht zwar weiterhin schön aus, aber ist mir persönlich noch zu teuer und man stößt zu oft an die Grenzen des Machbaren bzw muss blechen wie du so schön dargestellt hast 🙂 Allerdings muss ich zugeben, dass ich letztens beim Kunden mal ein IPad in der Hand hatte und das schon irgendwie cool fand; Bis ich mir den Quelltext einer Seite im Browser anschauen musste und gemerkt habe "Hey, das ist ja im Safari ohne Hack garnicht möglich!". ... und das wars dann auch schon wieder mit der Begeisterung 😉

    • Eine Sache muss man Apple jedoch zugute halten: Es ist (im Großteil) eine Alternative zu Windows. Wenn ich mir angucke, in welche Richtung M$ mit Windows 8 galoppiert - bin ich froh, mit Mac OS und Ubuntu zwei ordentliche Alternativen zu haben. Lediglich die Native-Programmierung wird darunter leiden: Mit FreePascal und Lazarus kann/will ich mich persönlich nämlich nicht anfreunden. Ihgitt!

  3. Die (fehlende) Intuitivität ist mir auch bereits aufgefallen, bei meinem neuen Arbeitgeber darf ich ja jetzt auch an einem Mac arbeiten.

    Dennoch muss ich sagen, dass mich diese Kombination aus Hardware und Software doch schon irgendwie begeistert. Jedenfalls wäre ich nicht abgeneigt, mir auch privat einen Mac zuzulegen, wenn da eben nicht diese hohen Anschaffungskosten wären, so ein Neugerät ist ja vergleichsweise unbezahlbar (wenn man aus der PC-Welt kommt).

    Ich habe übrigens eine englische Tastatur, die wunderbar für Entwickler ist, da dort all diese Klammern ohne größere Umschweife erreichbar sind, dafür muss man damit leben, die Umlaute komplizierter einzugeben.

    Das Schnell-mal-Geld-Ausgeben für Software ist eine echt fiese Angelegenheit, da es für den Mac echt smarte Software gibt, aber diese vielen Kleckerbeträge am Ende doch ein ganz schönes Sümmchen ergeben. Somit erhöhen sich die Investitionskosten in den ersten Wochen/Monaten erheblich.

    Statt MacPorts benutze ich übrigens Homebrew. Und letztens erst einen Artikel gelesen, dass meine Wahl eine nicht allzu schlechte gewesen sei, als dritte Alternative gäbe es wohl noch Fink, zu der aber kaum jemand rät.

    Achja, diese Shortcuts sind wirklich manchmal nervig. Zumal ich ja zwischen Heim und Arbeit jedes Mal umdenken muss. Und ich habe eine Tastatur ohne Nummernblock, welch eine Qual für mich! (Muss ich mal demnächst ansprechen, dass ich eine mit dem Block haben will.)

    Wenn ich nicht aufpasse, werde ich noch ein halber Fanboy. ;o)

  4. Was Mac OS angeht hatte ich zu Beginn (und habe es heute immer noch) das Gefühl, dass dort fast nichts intuitiv und je nachdem was man machen will (Thema Dienste konfigurieren) alles wesentlich umständlicher ist als bei der Konkurrenz.

  5. Was hast du denn jetzt so für Zusatzprogramme ausgegeben? Mich würde mal das Verhältnis von Anschaffungskosten zu "laufenden Kosten" interessieren...

    • Also für Zusatzsoftware (wo ich jetzt mal das Upgrade auf Mac OS 10.6 dazuzähle) habe ich derzeit 105€ ausgegeben - im Vergleich zum Anschaffungspreis von 500€ (inkl. neuer HDD und neuem RAM). Für das Geld habe ich jetzt ein MacBook mit dem letzten Betriebssystem (werde mit dem Umstieg auf 10.7 noch warten), Firewall, Antivirus, Musikstudio, Grafiksoftware, Videoschnittprogramm, Entwicklungsumgebung, Office-Suite und Virtualisierungssoftware.

      Jetzt kommt das große ABER: Sowohl Anvirus als auch Office-Suite decke ich über OpenSource ab und spare mir damit einiges Geld. Eigentlich würden für die Office-Suite nochmal zwischen 60€ (Apple iWork) und 200€ (M$ Office) und für die Antivirus-Lösung zwischen 20€ (F-Secure) und 40€ (avast!, Kaspersky) fällig werden.

      Und auch die Virtualisierungssoftware ist eigentlich eine finanzielle Mogelpackung. Denn so verschiebe ich einfach nur die Kosten für den Softwarekauf - denn für die ganze Windows-Software (die ich weiterhin nutzen will) habe ich irgendwann in der Vergangenheit auch schonmal Geld bezahlt.

      Damit will ich jetzt nicht sagen, dass Mac OS im Vergleich zu Windows unbedingt teurer ist, was die Software angeht, aber ein "für $999 ist dann aber auch alles dabei" kann man sich schnell wieder aus dem Kopf schlagen. Und vor allem läuft man bei Apple relativ schnell Gefahr, zur Klasse der nicht-mehr-supporteten Menge zu gehören. Das merken gerade die Besitzer der ersten MacBooks am eigenen Leib - der 32-Bit Intel CoreDuo wird mit Erscheinen von Mac OS Lion auf's Abstellgleis geraten.

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