Gefühlschaos

Heute wollte ich mal einen Rundumschlag ausführen und ein bisschen Einblick in meine derzeitige Situation geben. Ich weiß, dass hier inzwischen auch einige Firmen mitlesen, die an mir als Angestellten interessiert sind. Entweder, eine Firma kommt damit klar, dass ihre potentiellen Angestellten auch ein Privatleben haben oder sie lassen es einfach und werden mich nicht als Mitarbeiter gewinnen können.

Ich habe mich Ende Juli nach über 6 Jahren von meinem Verlobten getrennt. Bei einigen hat diese Entscheidung Unverständnis ausgelöst. Noch mehr Unverständnis hat eigentlich nur mein weiterer Umgang mit ihm geerntet. Ich habe ihm bei seinem Umzug geholfen, seine Sachen ans andere Ende der Stadt gefahren und ihm angeboten, mich mit ihm zu treffen, wenn die Zeit reif dafür ist. Ich habe mich nicht von ihm getrennt, weil ich ihn hasse, sondern, weil ich vermeiden wollte, jemals in die Situation zu kommen, ihn nicht mehr sehen zu wollen.
Leider habe ich in der Zeit unseres Zusammenseins gemerkt, dass er nicht die Person ist, neben der ich auch in 40 Jahren noch morgens wach werden möchte. Natürlich, ich habe tiefe Gefühle für ihn empfunden, aber es hat auch viele Probleme gegeben, die von allen Seiten an ebendiesen Gefühlen genagt haben.
Es war schmerzhaft, ihn gehen zu lassen. Es ist immernoch schmerzhaft. Noch schmerzhafter war es, dabei zusehen zu müssen, wie seine Welt in dem Moment zusammenbrach, als er realisierte, dass er fortan ein anderes Leben führen würde. Ein Leben ohne mich. Ein Leben, an das er sich erst noch gewöhnen muss. Ein Leben, an das auch ich mich erst noch gewöhnen muss.

In der Anfangsphase habe ich viel Halt gebraucht. Und ich bin so unsagbar dankbar darüber, dass ich diesen Halt gefunden habe. Nicht bei meinen Eltern - die ahnen evtl., dass etwas nicht stimmt, aber sie sind nicht eingeweiht. Soweit reicht das Vertrauen einfach nicht. Aber ich hatte Freunde - mehr, als ich je gedacht hätte. Sie haben mir zugehört, sie haben mit mir gesprochen oder sie waren einfach da, damit ich nicht allein in der Bar saß und trank.
Besonders hervorheben möchte ich @SchurigH, @J_Beer94 und @MrPelz (zu dem ich gleich nochmal gesondert komme). Aber auch viele andere Leute - aus der Schule, aus dem Studium.

Eine große Hürde war das alleine wohnen. Es ist ein bedrückendes Gefühl, allein etwa 2qm zu belegen und über 70qm leere, dunkle Wohnung um sich herum zu haben. Sich mit den Deckenlichtern in der Wohnung ein falsches Gefühl der Belebtheit zu erkaufen und trotzdem von leerem Zimmer zu leerem Zimmer zu wandern. Kein gesprochenes Wort, nur laute Musik, die die Stille übertönen soll. Hier konnte ich zum Glück Abhilfe schaffen. @MrPelz war so freundlich, bei mir einzuziehen, mir Gesellschaft zu leisten, die Wohnung mit Leben, mit Gesprächen und mit Lachen zu füllen. Keine leere, kalte Wohnung nach einem langen Tag oder einer Dienstreise - sondern Licht, eine herzliche Umarmung und ein "Na, wie war's?"

Ein letztes Problem bleibt jedoch. Der Verlust der Geborgenheit und Wärme, die einem der Mitbewohner unmöglich bieten kann. Natürlich, ich suche. Wieder. Ein Bekannter hat den Zustand kürzlich als "Date-Rausch" bezeichnet. Ziemlich passend, wie ich finde. Man sucht, im Eiltempo, als ob man sich bei jedem Schritt zu viel die Füße verbrennt. Leider sind mit den Jahren die Ansprüche höher geworden, nicht niedriger. Besonders schlimm ist es, jemanden zu finden, der zu passen scheint, für den man selbst aber nicht der passende ist. Denn er legt die Latte noch höher. Die meisten springen darunter hindurch.
Trotzdem gebe ich hier die Hoffnung nicht auf. Ich kenne inzwischen zwei Leute, die es wert wären, ihnen mein Herz zu öffnen. Und ich bin mir sicher, dass es dort draußen eine Person gibt, die für mich das gleiche empfinden wird. Der Weg, diese neue Person zu finden, liegt nun vor mir. Er ist es wert, ihn zu beschreiten...
Gefühlte Grüße, Kenny

6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallöchen,....

    mittlerweile ist es ja nun schon 3 Monate her, als Du das geschrieben hast. Wie geht es Dir heute? Ich kenne Dich zwar nicht, aber das, was Du schreibst, kennen sicher viele Menschen.

    Aber ich kann Dir dazu noch einen Tipp geben, suche nicht, sondern lass Dich finden. Bei einer Suche, nach was auch immer, neigt man schnell dazu, etwas zu nehmen, was man aber nicht wirklich will/braucht. Denn leider lassen wir uns immer wieder zu schnell begeistern.

    Sicher fällt einem der Abstand schwer, aber wenn Du Dich finden lässt, ohne dass Du wirklich suchst, dann ist die Chance größer... auch wenn man das nicht glauben mag. 😉

    Ich hoffe und wünsche Dir, dass es noch klappt oder es vielleicht schon geklappt hat....

    Liebe Grüße

    • Nunja, es geht mir eigentlich ziemlich gut. Manchmal hat man noch das Gefühl, dass etwas fehlt. Aber ich denke, ich habe mich inzwischen auch weiterentwickelt. Auch durch den "Date-Rausch". Ich weiß nun besser, was ein Partner mitbringen müsste und was eben genau nicht. Ich glaube, das Problem, irgendwen zu nehmen, nur weil er sich gerade anbietet, habe ich nicht. Ich habe in letzter Zeit ein zweites Date einfach mal abgelehnt, weil es partout nicht gepasst hat.

  2. Ein schön geschriebener Text für eine - uns sicherlich allen gruselig vertraute - Situation. In der Rückschau denkt man ja immer wie schnell die Trauerphase vergangen ist, aber steckt man mittendrin, dann kommts einem ewig vor.
    Ich wünsche dir den passenden Mann und Verständnis vom Mitbewohner, wenn er dann wieder ausziehen muss. 🙂
    Gruß, Max

  3. Sechs Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Und andererseits auch fast nix.

    Ich habe dich nie gefragt, warum du dich von ihm getrennt hast.
    Sicher, ich war überrascht. Und manchmal war mir danach auch einiges unverständlich, was aber auch daran liegt, dass du nicht immer einfach bist.

    Die leere Wohnung. Ja, das kenne ich nun seit einem dreiviertel Jahr. Meine große Wohnung ist leer, unbewohnt. Nur Ablage, kein Leben.

    Und ja, Geborgenheit und Wärme, die fehlen mir auch. Ich bin nicht dem Daterausch verfallen. Ich glaube nicht, dass ich es eilig haben muss. Seit zwei Jahren schon bin ich einsam. Manchmal glaube ich, man kann sich daran gewöhnen. Oder man beginnt seine Ansprüche herunterzuschrauben. Doch Letzeres will ich nicht.

    Schneckenhäusliche Grüße
    —aki

  4. Es ist immer schön, ehrliche Worte zu lesen. Deswegen danke ich dir für diese schon recht tiefen Einblicke in dein Seelenleben.

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