Windows RT oder „eine neue Chance“

Derzeit bewegt sich viel im Microsoft-Kosmos. Vor kurzen wurde Microsoft Surface (nicht der Tisch, sondern die Tablets) vorgestellt. Das Produkt gibt es in zwei Ausführungen - einmal als Consumergerät mit Windows RT (alias "Windows on ARM") und einmal als Pro-Gerät mit einem ausgewachsenen Windows 8.
Es wurde nach der Veröffentlichung viel darüber diskutiert, ob es eine gute Idee ist, das System bereits am Anfang derart zu fragmentieren. Keine nativen Anwendungen, die für Windows 8 programmiert werden, werden auf dem günstigen Windows RT Gerät laufen. Für diese günstige Geräteklasse wird ein völlig neues Ökosystem geschaffen werden müssen. Trotzdem denke ich, dass Microsoft gerade dabei ist - Schritt für Schritt - etwas größeres aufzubauen.

Schauen wir zuerst einmal in die Vergangenheit: Microsoft ist schon relativ lange im Mobilgeschäft unterwegs - wenn auch nie wirklich erfolgreich. Bereits in den 90ern begannen sie damit, ein Betriebssystem explizit für Mobilgeräte zu entwickeln - Windows CE. Viele Geräte wie z.B. Navigationsgeräte haben dieses System verwendet. Es besaß eine ähnliche Oberfläche wie Windows 95/98/2000 und fühlte sich auch in vielen Bereichen genauso an. Es gab einen Explorer, Internet Explorer, eine Registry zur Ablage von Daten, einen Startbutton. Die früheren Windows Smartphones verwendeten dieses System als Basis.

Gleichzeitig gab es immer wieder Versuche, Windows XP/Vista/7 auch in Form von Tables oder Convertibles (Notebooks, die zum Tablet umgeklappt werden konnten) an den Mann zu bringen. Das Konzept war jedoch nie ausgereift. Ein Beispiel dafür sind die Archos-Tablets, die früher primär mit Windows ausgestattet waren. Das System war jedoch einfach nicht dafür gemacht, ordentlich auf solch einem kleinen Bildschirm bedient zu werden. Die Bedienung mit Fingern war fast unmöglich (da es keine Größenoptimierung der Oberfläche gab) und die Bedienung mit Stift war viel zu unhandlich.

Vor ein paar Jahren gab es dann einen großen Paukenschlag. Microsoft stellte in einer Präsentation das interne Projekt MinWin vor. Dabei ging es darum, den Kernel von Windows vom Rest des darüber liegenden Systems zu separieren. Das ganze bestand aus etwa 25MB an Dateien und verbrauchte weniger als 40MB an RAM. Für (mobile) Hardware der damaligen und heutigen Zeit ein wichtiger Aspekt - ein möglichst schlankes Basissystem.

Kommen wir in die Gegenwart: Es kommt Windows Phone 8, das auf dem Windows NT Kernel basieren, aber weiterhin auf ARM-Hardware ausgelegt sein wird. Es kommt Windows 8 (für Tablets und Desktops), das ebenfalls auf dem Windows NT Kernel basiert und es kommt Windows RT, das auf dem Windows NT Kernel basiert, aber auf ARM-Hardware ausgelegt sein wird. Und wir haben Metro, das eine grafische Brücke zwischen diesen immer ähnlicher werdenden Systemen schlagen soll.

Oder um es anders auszudrücken: Wir erhalten ein etabliertes Mobil-Windows, ein etabliertes Desktop-Windows und eine Mischung aus beidem - alles mit einer gemeinsamen Kernelbasis.

Nun beginnt der Blick in die Zukunft. Was könnte Microsoft aus der derzeitigen Konstellation machen? Ich persönlich sehe folgende Perspektive: Microsoft könnte versuchen, Windows RT (ARM) und Windows 8 (Intel) zu verschmelzen. Sie könnten versuchen (z.B. durch Techniken auf Basis von .NET) dafür zu sorgen, dass native Programme (durch eine Abstraktionsschicht) sowohl auf Intel- als auch auf ARM-Hardware laufen. Das muss jedoch getestet und Stück für Stück aufgebaut werden. Dafür bietet sich ein vorerst separiertes Ökosystem ohne Businesskunden-Fokus (Windows RT) an. Die vorwiegend privaten Windows RT Nutzer würden einfach irgendwann von der Verfügbarkeit aller normalen Windows-Anwendungen profitieren. Im letzten Schritt könnte man dann dazu übergehen, auch Windows Phone durch dieses neue System zu ersetzen und hätte - bei entsprechender Marktdurchdringung - endlich erreicht, was vor fast 20 Jahren in die falsche Richtung gestartet ist.

Man hätte ein System, das für Desktop-Kunden durch die "alte Oberfläche" professionell einsetzbar ist und das alle bekannten Anwendungen bietet. Man hätte ein System, das für Mobil-Kunden durch die Metro-Oberfläche einfach per Touch bedienbar ist. Und man hätte ein System, das auch unterwegs (z.B. durch Anschließen von Maus, Tastatur und Bildschirm) zu einem vollen System umgebaut werden könnte - einfach durch Switchen von Metro zur alten Oberfläche.

Aus dieser Perspektive macht es sogar Sinn, dass Microsoft derzeit so sehr dabei ist, auch auf dem Desktop die Metro-Oberfläche zu pushen. Man muss möglichst früh dafür sorgen, dass der Kunde sich damit anfreudet, zwei verschiedene Oberflächen zu bedienen. Es wird spannend, ob das gelingt, oder ob die Kunden das zweigeteilte System boykottieren werden.
Orakelnde Grüße, Kenny

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