Boogie Board Sync: Einfaches Tablet mit viel Wow!

Bereits vor zwei Jahren wurde ich das erste Mal auf die Boogie Boards von Improv Electronics aufmerksam. Bei diesen Geräten handelt es sich im Grunde um ein kleines Tablet mit eInk-Display und Digitizer, auf dem man Notizen und Zeichnungen malen kann. Je nach Gerät werden die Notizen einfach nur angezeigt oder können sogar als Vektordatei gespeichert und exportiert werden.

Zu der damaligen Zeit war gerade das Boogie Board Rip das Maß aller Dinge - und zwar im negativen Sinne. Das Gerät speicherte mitunter die Dokumente nicht, es ließ die Dokumente nicht exportieren, die mitgelieferte Software funktionierte nicht, das Gespeicherte entsprach nicht dem, was gezeichnet wurde, etc. pp. Das Gerät war so schlecht, dass es heute nicht einmal mehr auf der Webseite des Unternehmens erwähnt wird. Damals ließ ich jedenfalls die Finger von dem Gerät.

Einige Zeit später fand ich auf Youtube ein Video, in dem ein Prototyp des Boogie Board Sync auf der CES 2013 vorgestellt wurde. Das Gerät sah sehr vielversprechend aus, also nahm ich mir vor, es mir anzusehen, wenn es auf dem Markt ist.

Am Samstag war es nun soweit. Ich ging meine ToDo-Liste durch und fand am unteren Ende die Aufgabe, dass ich mir das Boogie Board Sync ansehen wollte. Gesagt getan. Ich sah mir die Produktseite des Herstellers an, ich guckte mir Review-Videos auf Youtube an, ich las die Rezensionen auf Amazon.com und schließlich überwand ich mich und bestellte das Boogie Board Sync und zusätzlich die offizielle Hülle Boogie Board SyncFolio.

IMG_8404 Boogie Board Verpackungen

Boogie Board Verpackungen

Die Verpackung konnte mich jedenfalls schon mal nicht überzeugen. Sie besteht aus dünnem Plastik, das sich total leicht eindrücken lässt. Eine wertige Verpackung sieht anders aus. Diese hier erinnerte mich eher an Spielzeug. Viel enthalten ist ebenfalls nicht. Man findet das Boogie Board, ein einfaches Micro-USB-Ladekabel ohne Netzstecker und eine Kurzanleitung.

Das Tablet selbst ist erstaunlich leicht und dünn. Natürlich wollte ich erst einmal sehen, wie gut der Kontrast ist. In den Rezensionen auf Amazon.com hatte ich mehrfach gelesen, dass man je nach Lichtverhältnis und Blickwinkel gar nichts erkennen könnte. In meinen Tests konnte ich das nicht bestätigen. Egal aus welchem Winkel und mit wieviel Gegenlicht - es war alles gut zu erkenne.

Boogie Board Sync IMG_8412

Boogie Board Sync

Es gibt jedoch auch Dinge an dem Gerät, die mir nicht so gut gefallen:

  • Da wäre als erstes der Stifthalter. Im Grunde presst man den Stift in eine Halterung. Diese wird beim Reinpressen gedehnt, bis der Stift einrastet. Diese wiederkehrende Verformung des Gehäuses kann einfach nicht gesund für das Gerät sein.
  • Was mir auch nicht gefällt, ist, dass man auf dem Gerät zeichnen kann, obwohl es ausgeschaltet ist. So kann es passieren, dass selbst beim Transport die Ansicht auf dem Tablet verfälscht wird. Das kann selbst dann passieren, wenn man das Boogie Board in die Original-Tasche schiebt.
  • Damit einher geht das Problem, dass man auch mit anderen Gegenständen als dem Digitizer auf dem Tablet schreiben kann. Das mag im ersten Moment praktisch sein. Da jedoch nur Eingaben mit dem Digitizer aufgezeichnet und abgespeichert werden können, ist es sehr gefährlich, eine andere Eingabe zu ermöglichen.
  • Zeichnungen können entweder gelöscht oder gespeichert werden. Merkwürdigerweise werden selbst gelöschte Zeichnungen auf dem Gerät abgelegt - in einem Ordner für gelöschte Zeichnungen.
  • Es ist nicht möglich, vorherige Zeichnungen wieder auf dem Display anzuzeigen. Ist der Bildschirm gelöscht worden, kann man den vorherigen Inhalt nur über die Synchronisation wieder ansehen.
  • Man kann keine Aktionen rückgängig machen. Löscht man aus Versehen den Bildschirm, ohne fertig zu sein, muss man die Zeichnung komplett neu machen. Zeichnet man aus Versehen eine falsche Linie, kann man diese nicht rückgängig machen.
  • Das Löschen des Bildschirmes sieht merkwürdig kaputt aus. Dabei flackert der Bildschirm mehrfach auf. Ich denke nicht, dass das zur positiven User-Experience beiträgt.
  • Die Strichstärke lässt sich nicht über den Druck, den man auf das Display ausübt, beeinflussen. Es wird immer mit der gleichen Strichstärke gezeichnet.
  • Es gibt keine Anzeige, die den Batteriestatus oder den Speicherstatus des Boogie Boards anzeigt. Man weiß also weder, wie voll die Batterie ist, noch, wie voll der interne Dokumentenspeicher ist.
  • Achtung: Beim Arbeiten mit dem Gerät habe ich festgestellt, dass der Hardware-Button zum Speichern nicht geht, wenn das Boogie Board Sync zur selben Zeit mit der iOS-App verbunden ist. Das ist besonders ärgerlich, wenn man nicht im Live-Drawing-Modus ist, da dann alles Gezeichnete verloren geht, ohne, dass man davor gewarnt wird. Ob das auch bei allen anderen Apps (Windows, Mac OS X, etc.) der Fall ist, habe ich noch nicht überprüft - ich würde im ersten Schritt jedoch davon ausgehen.
IMG_8424 Live Drawing Modus

Live Drawing Modus

Doch es gibt auch jede Menge positive Dinge, die mir an dem Gerät aufgefallen sind:

  • Es macht einfach Spaß auf dem Gerät zu malen. Der Stift zeichnet fein genug, damit man problemlos schreiben kann, ohne, dass man sich dabei schwerfällig fühlt. Das Schriftbild ist sauber und klar und so, wie man es auch auf Papier erwarten würde.
  • Die erzeugten Vektor-Dateien sind unheimlich praktisch. Im PDF-Format kann man sie direkt drucken oder mit Tools zu einem Heft zusammenbinden.
  • Ich liebe den Live Drawing Modus. Dabei wird das, was man gerade auf dem Tablet zeichnet, direkt z.B. an die iPhone App übertragen und dort angezeigt. Via AirPlay Mirroring ist es dann wiederum möglich, den Inhalt auf einen Monitor oder Fernseher zu übertragen. So kann man in Konferenzen mit Hilfe des Tablets tolle Live-Visualisierungen machen. Ähnliche Systeme mit Digitizer und Speicherfunktion kosten mitunter mehrere tausend Euro und nutzen dann auch noch proprietäre Speicherformate.
  • Unterwegs und Zuhause digitale Notizen samt Grafiken zu machen, war noch nie so einfach. Bisher habe ich Zuhause zig verschiedene Blöcke, Notizbücher und lose Blätter, in/auf denen ich mir Dinge und Ideen notiere. Diese überführe ich dann - soweit möglich - in meine ToDo-Liste, in mein Jira oder in mein Etherpad, um daran weiterarbeiten zu können. Dabei geht jedoch immer die visuelle Komponente verloren. Die Skizzen, die viele Dinge so viel einfacher erklären können als lange Texte, kann ich nun endlich zusätzlich mit ablegen.
  • Der gesamte Zeichenbereich des Tablets kann genutzt werden. Bei anderen Geräten gibt es mitunter Probleme mit den Randbereichen, die z.B. weniger sensibel sind oder gar nicht auf Eingaben reagieren.
Zeichenbereich und Kommunikationsstrecke IMG_8428

Zeichenbereich und Kommunikationsstrecke

Ich werde in den nächsten Tagen noch ein wenig mit dem Gerät spielen, bin bisher jedoch ziemlich begeistert. Klar, es gibt negative Punkte, doch bei einem Gerät für 100€ kann man wohl auch keine perfekte Lösung erwarten. Solange sich jedoch keine funktionalen Probleme einstellen, bin ich mit meiner Investition jedenfalls sehr zufrieden. 🙂

Grafische Grüße, Kenny

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