Windows 10 – Auf zu neuen Geschäftsmodellen?

Gestern wurde nun also Windows 9 Windows 10 vorgestellt - die bisherige Berichterstattung ist eher zurückhaltend und befasst sich primär mit den sichtbaren Änderungen. Leider wird für meinen Geschmack zu wenig auf die Veränderungen im Hintergrund eingegangen. Dabei sind diese eventuell gravierender, als man auf den ersten Blick erkennen mag.

Gehen wir kurz zwei Jahre zurück - damals wurde Windows RT vorgestellt und meine Mutmaßung war, dass Microsoft auf dem Weg sein könnte, eine gemeinsame technische Basis für sämtliche Plattformen - von Smartphones über Tablets bis zu Desktops - zu schaffen. Diese Vermutung wird nun bestätigt. Es soll zukünftig (nach Microsoft) egal sein, welche Plattform man nutzt. Anwendungen sollen einfach plattformübergreifend bereitgestellt werden können.

Es gibt auch andere Änderungen, die Windows 10 zu dem machen, was Windows 8 bereits hätte sein sollen. So hält das Startmenü wieder Einzug, es gibt endlich mehrere virtuelle Desktops, zwischen denen man hin und her wechseln kann und das wohl wichtigste: Desktopnutzern wird nicht mehr die Touchoberfläche aufgezwungen. Stattdessen wird versucht, den Nutzern die User Experience zu bieten, die für jeden jeweiligen Anwendungsfall angemessen ist.

Soweit zu dem, was man an Neuigkeiten sonst lesen kann. Spannend hingegen ist ein Blogeintrag, der kurz nach der Präsentation von Microsoft veröffentlicht wurde. Darin geht es darum, wie Unternehmen zukünftig mit Updates umgehen können. Es ist die Rede davon, dass Endkunden und Businesses, die daran interessiert sind, die "latest innovations" über Windows Updates holen oder einen Gang runter schalten und nur Sicherheitspatches installieren können. Es geht sogar noch weiter:

As mentioned, with Windows 10, we are aiming to reduce the need for the time-consuming and costly wipe-and-reload approach to OS deployment. We know that app compatibility is critical for business. [...] We are creating a streamlined, reliable in-place upgrade process that can be initiated using current management infrastructure.

Das wirft möglicherweise ein neues Licht darauf, wie zukünftig die Weiterentwicklung von Windows aussehen könnte. Bisher war es dort ja eher so, dass man ein Gerät mit einer Version gekauft hat und diese Windows-Version so lange genutzt hat, bis der Rechner veraltet oder defekt war. So wird Windows 7 noch bis Anfang 2020 supportet. Auch der Support für Windows XP endete erst dieses Jahr - nach etwa 13 Jahren. Dementsprechend teuer waren Windows-Lizenzen und dementsprechend außergewöhnlich war es, einen Rechner doch einmal auf eine neue Windows-Version anzuheben.

Innerhalb einer Windows-Version war es eher unüblich, dass komplett neue Features (oder gar "innovations") nachgereicht wurden. Das scheint sich nun mit Windows 10 zu ändern. Damit stellt sich dann allerdings eine neue Frage: Wie will Microsoft zukünftig mit Windows Geld verdienen, wenn Neuerung bald im normalen Update-Prozess nachgereicht werden?

Ein relativ ähnliches Konzept, die Updates samt neuer Features zu verteilen, kennt man von Mac OS X, wo jedes Jahr eine neue Version erscheint, die sich relativ schnell und relativ breitflächig verteilt. Dass man solch kurze Versionssprünge in Betracht ziehen könnte, sieht man meiner Meinung an Windows 8.1 - es ist kein typisches Servicepack, sondern bietet Neuerungen im System, behält jedoch gleichzeitig die Hauptversion bei. Im Gegensatz zu Microsoft wird die Weiterentwicklung des Betriebssystems bei Apple jedoch durch den zugehörigen Hardwarekauf abgegolten. Dieser Finanzierungspfad fehlt Microsoft...

...noch. Microsoft ist Eigentümer der Handysparte von Nokia geworden, kann also zukünftig Smartphone-Hardware und -Software aus einer Hand anbieten. Auch bei den Surface-Tablets sind sie bereits Hardware- und Software-Lieferant. Da Microsoft zudem bei der XBox bereits mehrjährige Erfahrung mit der Entwicklung von desktopähnlicher Hardware hat, halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass sie auch den Schritt wagen könnten, ein Microsoft-Notebook auf den Markt zu bringen.

Der von Apple vorgezeigte Weg - Hardware, Betriebssystem, Software und Services zu einem eng verwobenen Ökosystem zu verschmelzen - könnte der Königsweg sein, den Microsoft inzwischen im Auge hat. Und mit einem einheitlichen System, das sich einfach nur auf das jeweilige Gerät optimiert, könnte Microsoft sogar einen Vorteil gegenüber Apple haben, das sein iOS und sein OS X zwar funktional angleicht, diese jedoch weiterhin getrennte Systeme sein lässt - nämlich genau dann, wenn man die von Canonincal beschworene Convergence tatsächlich umsetzen kann.

Wie es auch ausgehen wird, derzeit ist es jedenfalls spannend, zu sehen, wie Microsoft mit Windows weiter vorgehen wird. Mit etwas Intelligenz und guten Konzepten könnte Microsoft es schaffen, seine Marktdominanz in kurzer Zeit stark zu festigen und im Mobilmarkt sogar auszubauen. Die Bausteine sind da, jetzt müssen sie nur noch gut kombiniert werden.

Was denkt ihr von den aktuellen Schritten von Microsoft? Glaubt ihr, dass Microsoft in der Lage sein wird, ein übergreifendes System zu schaffen?

Fensterlose Grüße, Kenny

P.S.: Man könnte natürlich auch einen BWLer eingestellt haben, der die Idee Klasse findet, das Betriebssystem zu einer Software-as-a-Service zu deklarieren und sie im Monatsabo zu vermieten und Nichtzahler mit regelmäßiger Popup-Werbung zu nerven. Hoffen wir mal, dass Microsoft ein wenig intelligenter sein wird. 😀

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