30 Tage Ernährung mit Bertrand… Tag 0

Seit ein paar Jahren gibt es einen Trend aus den USA, der Stück für Stück auch nach Deutschland schwappt - Soylent. Dabei handelt es sich um ein Nahrungspulver, das sämtliche Nährstoffe liefern soll, die der menschliche Körper benötigt. Das mit Wasser oder Säften vermischte Pulver, das anschließend getrunken wird, soll als vollständiger Nahrungsersatz fungieren können.

Da Soylent derzeit nicht in Europa verkauft wird, entstehen diesseits des Atlantik immer mehr Firmen, die ähnliche Produkte auf den Markt bringen. Neben einem Lizenzprodukt finden sich Ableger wie Bertrand, Huel, Jake, Joylent, Veetal und andere.

Durch einen Golem-Artikel wurde auch ich wieder auf das Thema aufmerksam und sah mir die Webseiten der verschiedenen Anbieter an. Die meisten von ihnen werben damit, eine vollwertige Nahrung anzubieten und präsentieren stolz die vielen natürlichen Zutaten, die sie verwenden. Erst im Kleingedruckten findet man heraus, dass neben den natürlichen Zutaten auch allerhand Vitamin- und Mineralienpulver hinzugefügt werden, um die Nährstofftabelle zu komplettieren. Besonders gruselig fand ich dabei das Original-Soylent aus den USA, das selbst vor dem Einsatz genmanipulierter Zutaten nicht zurückschreckt.

Das einzige Produkt, das mich persönlich überzeugt hat, ist Bertrand. Der Hersteller aus Deutschland wirbt damit, ausschließlich Zutaten aus ökologischem Anbau zu verarbeiten - hat hierfür auch ein Zertifikat - und damit, keinerlei Nährstoffzusätze zu verwenden. Dementsprechend klingt die Zutatenliste auch eher nach einem Müsli, als nach Astronautennahrung:

Klassisch. Version 2.5:
Vollkornhafer*, Rapsölpulver (auf Maltodextrin*), Magermilchpulver*, geriebene Mandeln*, Leinsamenmehl*, Rohrzuckerpulver*, Sonnenblumenkernmehl*, Walnussmehl*, Sanddornpulver*, Johannisbrotkernmehl, Kokosnusspulver*, Jodsalz, Trockenhefe*, Algenpulver (Porphyra)*, Pilzpulver* (Agaricus bisporus)

*aus kontrolliert ökologischer Landwirtschaft
Natürliches Vanillearoma und natürliches Heidelbeeraroma werden optional beigegeben

Das ganze hat dann allerdings auch seinen Preis: Für 90 Mahlzeiten (wobei sich jeweils 3 Mahlzeiten in einem Beutel befinden) bezahlt man 269€. Der Versand ist kostenlos und mit jeder größeren Bestellung erhält man einen Shaker gratis dazu, den man optional auch gegen einen weiteren Beutel Bertrand eintauschen kann.

Nach ein wenig hin und her überlegen, entschloss ich mich, eine Monatsration an Bertrand zu bestellen und zu versuchen, mich 30 Tage lang ausschließlich von dem Pulver zu ernähren. Die Bestellung selbst ging recht schnell von der Hand, allerdings dauerte der Versand eine halbe Woche.

Bertrandpaket auspacken Bertrandpaket auspacken Bertrandpaket auspacken
Bertrandpaket auspacken Bertrandpaket auspacken Bertrandpaket auspacken

Bertrandpaket auspacken

Etwas überrascht war ich von der Größe und dem Gewicht des Pakets und von der Größe der Tagesportionsbeutel. Ich war nicht davon ausgegangen, dass man jeden Tag 500g Pulver zu sich nehmen würde. Um mal ein Gefühl dafür zu bekommen, wie man sich einen 500g-Beutel vorstellen muss, habe ich einfach mal einen in die Hand genommen.

Größe einer Tagesportion

Größe einer Tagesportion

Positiv überrascht bin ich auch von der Qualität des Shakers. Für 11,90€ pro Stück kann man im Zuge seiner Bertrand-Bestellung auch noch weitere dazu kaufen. Ich bin gespannt, ob ich mit den beiden Shakern, die ich nun erst einmal besitze, über die Runden kommen werde oder ob es sinnvoll ist, noch mehr davon zu besitzen.

Verpackter Shaker

Verpackter Shaker

Damit mir durch den potentiell eintönigen Geschmack nicht allzu schnell die Lust vergeht, habe ich mir von allen drei Geschmacksrichtungen - natürlicher Geschmack, Vanillegeschmack und Heidelbeergeschmack - jeweils 10 Beuten bestellt. So kann ich ein wenig hin und her probieren. Außerdem werde ich mit den Beuteln mit der natürlichen Geschmacksrichtung auch ein wenig experimentieren. Beispielsweise wird vorgeschlagen, dass man ja auch mal Säfte statt Wasser für die Zubereitung verwenden kann.

Bertrand in drei Geschmacksrichtungen

Bertrand in drei Geschmacksrichtungen

Vorbereitend auf dieses Experiment habe ich mir natürlich auch überlegt, was mich wohl erwarten wird, wenn ich einen ganzen Monat lang Pulvernahrung zu mir nehme. Die Erwartungen habe ich in positive und negative Punkte getrennt und werde in wöchentlichen Folgeartikeln schreiben, inwieweit sich meine Erwartungen erfüllt haben.

Meine positiven Erwartungen drehen sich vor allem um die Erleichterungen:

  • + gesündere und ausgewogenere Ernährung
  • + keine Gedanken darüber, ob/was ich essen kann
  • + kürzere Wocheneinkäufe (Wasser, Säfte, Haushaltsbedarf)
  • + vereinfachte Essenszubereitung
  • + bessere Gewichtskontrolle durch Portionsbeutel
  • + mehr Freizeit, da nebenbei gegessen werden kann

Meine negativen Erwartungen drehen sich unter anderem darum, was man geschmacklich und sozial mit Essen verbindet:

  • - merkwürdiger/unangenehmer Geschmack
  • - langweiliges/eintöniges Essen
  • - Heißhunger auf anderes/richtiges Essen
  • - eklige/schleimige Konsistenz
  • - Diskussionen mit Freunden/Kollegen/Partner
  • - schwierige Reinigung des Shakers durch getrocknete Pampe
  • - nervige Umstellung der Verdauung
  • - soziale Events verleiten zu normalem Essen

Ich bin gespannt auf die nächsten Tage und Wochen und werde darüber berichten, wie es mir so ergeht. 🙂

Pulverige Grüße, Kenny

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